München – Der EHC München ist in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) etwas aus der Spur geraten. Diesen Freitag (19.30 Uhr) muss er bei den Kölner Haien antreten, es folgen drei weitere Auswärtsspiele. Ein Gespräch mit Stürmer Frank Mauer (33) über die aktuelle Situation seines Vereins – und über die deutsche Nationalmannschaft, die mit ihm 2018 noch olympisches Silber gewonnen hatte und in Peking in der Viertelfinal-Qualifikation ausschied,
Die Saison 2021/22 hatte für Ihr Team neben der Olympiapause zwei weitere längere Unterbrechungen wegen Corona. Ist der EHC eine Mannschaft, die den dichten Rhythmus braucht?
Die Pausen hatten nicht nur wir, sondern andere Teams auch. Aus der zweiten Pause wegen Corona sind wir aber stark zurückgekehrt, weil wir bis dahin eine Niederlagenphase hatten und gezielt arbeiten konnten. Um unser Spiel abzurufen, hilft Rhythmus natürlich, und es ist vom Kopf her besser als nicht zu wissen, ob ein Spiel überhaupt stattfinden kann.
Ein Kuriosum dieser merkwürdigen Saison: Sie haben Verteidiger gespielt, Trainer Don Jackson lobte Sie, weil Sie keine Nervosität zeigen und den Puck nach vorne transportieren können.
Don hat einige Wochen, bevor es so weit war, schon gefragt, ob ich Verteidiger spielen könnte, falls wir mal zu wenige haben sollten. Da musste ich schmunzeln, weil ich das noch nie getan habe. Aber ich habe es mir zugetraut, und die Jungs aus der Verteidigung haben mich aufgeklärt, worauf ich achten muss. Es hat dann Spaß gemacht, aus der Komfortzone herauszugehen und die Herausforderung anzunehmen.
Was war das letzte Spiel, bei dem Sie und die Mannschaft in eine tosende Halle einliefen?
Zunächst einmal war es schön, dass am Dienstagabend gegen Straubing wieder Menschen da waren. Es hat sich toll angefühlt.
Auch wenn es so wenige sind? 1380 – mehr durften nicht rein.
Es ist toller als mit den Planen über den Rängen. Die Zuschauer wissen auch nicht, wie sie mit der Situation umzugehen haben. Wir nehmen das aber alles mit, und zu Beginn der Saison gab es ja einige Spiele, die sich gut angefühlt haben.
Der EHC hat eine negative Heimbilanz. Weil Heimspiele sich, wenn ein Stadion leer sein muss, nicht mehr wie Heimspiele anfühlen?
Zuschauer transportieren immer Emotionen auf das Eis – auch wenn du auswärts ausgepfiffen wirst, gibt dir das einen Push. Ohne Zuschauer fühlt es sich neutral an – außer dass du den Vorteil hast, die örtlichen Gegebenheiten zu kennen. Trotzdem: Man will den Heimnimbus wahren, gerade wenn man auf die Playoffs schielt, wo es um den Heimvorteil geht. Einige unserer Niederlagen zu Hause waren auch unglücklich. Wir müssen das umdrehen, das liegt aber nur an uns.
Bei Magentasport haben Sie zweimal klar die Defizite benannt und gesagt: „So können wir nicht weiterspielen.“ Doch so richtig findet der EHC nicht zu sich, oder?
Ich sehe schon Besserungen. Dass wir zu viele Konter und Großchancen hergeben, das könnte abgestellt werden. Wir haben jetzt halt inklusive des Champions-League-Spiels in Tampere zweimal kein Tor geschossen, das fällt auf. Aber wir sind alle gewillt, das Ruder herumzureißen.
Don Jackson wirkte nach dem 0:2 gegen Straubing schon etwas angefressen. Auch gegenüber dem Team?
Er ist ruhig, weist aber auf die Fehler hin. Er fragt die Spieler nach ihrer Meinung, sucht den Dialog. Gemeinsam erarbeitet man den Konsens. Don ist erfahren genug, er weiß, dass die Crunchtime immer näher rückt und wir den Hebel dann nicht einfach umlegen können.
Bei Olympia waren Sie Experte für Eurosport und Gast in der „Olympia Hockey Night“. Ist die Wahrnehmung von außen eine andere, als wenn man, wie Sie 2018 in Pyeongchang, Teil der Mannschaft waren?
Ich glaube schon. Ich tue mich schwer, auf jemanden mit dem Finger zu zeigen und hätte den Jungs alles gegönnt. Doch es war zu sehen, dass sie sich von Anfang an schwergetan und den Zugriff nie so gefunden haben, wie sie das wollten. Jedes Turnier entwickelt seine eigene Dynamik, und auf diesem Niveau werden Fehler knallhart bestraft.
Wie ist eigentlich Ihr Status bei der Nationalmannschaft? Sie gewannen Silber 2018 – viele werden sich an Ihr Zaubertor im Halbfinale gegen Kanada erinnern –, spielten die WM 2019. Danach war nichts mehr. Auch keine Rücktrittserklärung.
2020 wurde die WM wegen Corona abgesagt, danach ging es aus familiären Gründen nicht, für Olympia war ich unter den letzten 40, 50 Mann, aber dann nicht dabei. Tendenziell ist es wohl mein letztes Jahr als Nationalspieler, ich denke, nach der Saison werde ich meinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklären.
Seit Olympia 2018 hat das Eishockey eine Welle der Begeisterung erfahren. Deutsche Sportfans sind ergebnisorientiert, wird das infolge von Peking alles nachlassen?
Kann ich mir nicht vorstellen. Auch wenn sich eine breite Masse nicht so identifiziert, so hat Eishockey verdient seinen Platz in Deutschland gefunden. Das Interesse war groß vor den Olympischen Spielen, die Erwartungshaltung auch, geschürt durch die Ergebnisse, ich glaube, Eishockey wird weiter beobachtet.
Interview: Günter Klein