Das symbolische Vorbild war mit Bedacht gewählt. Wie Achttausender-Bezwingerin Gerlinde Kaltenbrunner wollten es die Löwen im Sommertrainingslager angehen. Bei der Wanderung zum Kaltenbrunner-Museum in Oberösterreich waren Sportchef Günther Gorenzel und Trainer Michael Köllner in ihrem Element: Nach Platz vier sollte es in dieser Saison raufgehen bis zum Aufstiegs-Gipfel, die Mitfavoritenrolle metaphorisch einkalkuliert. „Unser Wanderrucksack ist extrem schwer“, sagte Gorenzel. „Es werden einige Stürme auf uns zukommen, denen wir standhalten müssen.“
Knapp acht Monate später lässt sich feststellen: Mit den Stürmen hat Gorenzel Recht behalten. Mit der Widerstandskraft seiner Seilschaft nicht. Noch vor dem Liga-Endspurt müssen sich die Löwen das Scheitern ihrer Mission eingestehen. Auf dem Weg zurück ins Basislager geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Ein Fiasko, das sich bei allen Bemühungen nicht schönreden lässt.
Trugschluss eins: Der Kader sei im Kern stark genug, um mit punktuellen Verstärkungen ans Ziel zu gelangen. Ging mangels spielerischer Verbesserung schief. Zuletzt klappte nicht mal mehr das Umschaltspiel. Trugschluss zwei: Ohne Sascha Mölders als abgeworfenem Ballast sei ein neuer Teamgeist eingekehrt. Vier mehr oder weniger glücklich zustande gekommene Siege schienen diese Hoffnung zu nähren. Umso härter nun die Erkenntnis, dass es dem Kader massiv an Führungskräften mangelt.
Nur zwei Beispiele, wie schnell und schmerzhaft der Bumerang der (Selbst)täuschung zurückkehren kann. Dabei lässt sich die Moderation des sportlichen Stillstands keinesfalls unabhängig vom Verhältnis der Gesellschafter betrachten. Noch immer ist der kleinste gemeinsame Nenner das höchste der Gefühle zwischen Präsidium und Finanzier Hasan Ismaik. Direkte Kommunikation? Gar eine gemeinsame Vision? Fehlanzeige.
Die Gesamtsituation erinnert fatal an die bleiernen Zweitliga-Jahre, nur halt eine Klasse tiefer. Während damals über die Catering-Verträge in der Arena geklagt wurde, steht jetzt die Stadt München mit ihren Mietkonditionen beim Grünwalder Stadion in der Kritik. Die immer noch nicht abgesegneten Umbaupläne tun ihr Übriges zur dunklen Wolke der Perspektivlosigkeit, die über 1860 hängt. Hier einen realistischen Gipfel zu erkennen? Da dürfte selbst Gerlinde Kaltenbrunner abwinken.
ludwig.krammer@ovb.net