Kimmich in der Führungskrise

von Redaktion

Seit seiner Corona-Infektion steckt der Bayern-Star, sonst vorbildlicher Antreiber, im Formtief

VON JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ

München – Über einen Monat ist der letzte Zu-Null-Sieg des FC Bayern nun schon her. Am 15. Januar setzten sich die Münchner beim 1. FC Köln 4:0 durch, danach gab es in den Partien gegen Hertha BSC (4:1), Leipzig (3:2), Bochum (2:4), Salzburg (1:1) und Fürth (4:1) immer mindestens einen Gegentreffer. Interessant in diesem Zusammenhang: Das Auswärtsspiel der Bayern in Köln war die letzte Partie, bei der Joshua Kimmich aufgrund der Corona-Infektion von Benjamin Pavard nicht auf seiner angestammten Position in der Zentrale zum Einsatz kam.

Die jüngste Anfälligkeit des Rekordmeisters in der Defensive auf den Nationalspieler zu schieben, würde selbstverständlich nicht der Wahrheit gerecht. Speziell bei seiner Rückkehr auf die Sechs gegen die Hertha lieferte Kimmich eine starke Leistung ab, die er sogar mit zwei Assists krönte. Fakt ist aber auch: In den folgenden Partien schaffte es der 27-Jährige nur noch sehr selten, das Zepter an sich zu reißen und auf diese Weise das sichere Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff zu geben. Die Resultate zeigen: Bayern braucht dringend die beste Kimmich-Version.

Dessen ist sich auch Julian Nagelsmann bewusst, der dem verletzungsbedingten Fehlen von Kimmichs Kollegen auf der Sechs, Leon Goretzka, in den vergangenen Partien durch diverse Systemumstellungen entgegenzuwirken versuchte. In Bochum beispielsweise ließ der Cheftrainer Kimmich als einzige Sechs ran, die unter dem großen Druck des VfL versagte. Gegen Fürth wurde Kimmich von Corentin Tolisso und hernach von Marcel Sabitzer begleitet, die ihm beide zwar mehr Freiheiten im Aufbau gewährten, aber auch nicht zu voller Entfaltung verhalfen.

Jens Lehmann, auf dessen Analysen man zumindest in fußballerischer Hinsicht etwas geben kann, ist das auch nicht verborgen geblieben. „Er spielt als Sechser, aber ob das ein richtiger Sechser ist, ich weiß es nicht“, meinte der Ex-Nationaltorhüter jüngst bei Bild. Und weiter: „Joshua Kimmich ist ein guter Spieler, der seine Stärken aber eher in der Offensive hat, nicht so in der Defensive. Ich kenne andere Sechser, die waren defensiv etwas bewusster.“ Ihm wieder sein volles Leistungsbewusstsein einzuimpfen, liegt jetzt in Nagelsmanns Händen.

Gerade der Fußballlehrer weiß um die Bedeutung seines Stabilisators im Mittelfeld, meinte daher kürzlich mit Blick auf die aktuellen Baustellen: „Wir brauchen mehr Balance und Ballsicherheit, müssen die Fehler im eigenen Ballbesitz minimieren.“ Allesamt Dinge, die gerade Kimmich eigentlich beherrscht wie kein Zweiter. „Er spielt einen modernen Sechser, ist ein Leader“, weiß auch Bayern-Legende Lothar Matthäus. „Keine Position passt besser für ihn.“ Auch wenn das zuletzt nur selten zur Geltung kam.

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