München – Als während des abschließenden Ultraschalls das schmatzende Geräusch des Herzschlags im Behandlungszimmer erklingt, ist Dr. Dinic zufrieden. „Der Herzmuskel ist elastisch und entspannt.“ Auch Marie Lang kann durchatmen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die mehrfache Kickbox-Weltmeisterin wollte nach einer doppelten Corona-Infektion Spätfolgen an Herz und Lunge ausschließen, denn am Samstag braucht die 35-Jährige viel Luft. Sie tritt im Deutschen Theater in München im vorletzten Kampf ihrer Karriere in der Gewichtsklasse bis 62,5 Kilogramm gegen die Portugiesin Ines Casqueiro an.
2020 war die Münchnerin zunächst im Februar und dann erneut im November erkrankt. Sie hatte zwar keine dramatischen Verläufe, aber doch mehr als nur Erkältungssymptome. Manche Einschränkungen hielten zudem nach der Genesung an. „Ich war außer Puste beim Treppensteigen, obwohl ich eigentlich fit und voll im Training war. Das war natürlich Horror für mich. Auf dem Laufband habe ich mich gefragt: Woher habe ich diese Schmerzen? Wie wenn man eiskalte Luft einatmet, so ein Gefühl war das“, erzählt Lang beim Arztbesuch.
20 Prozent ihres Lungenvolumens hatte sie durch die zweite Infektion eingebüßt, danach besuchte sie Dr. Dinic das erste Mal. Der ordnete eine Sportpause an: „Als Arzt bist du immer der Buhmann. Wenn man bremst, muss das der Sportler erst mal verarbeiten. Aber Marie gehört zur geduldigen Sorte, sie hat alles richtig gemacht.“
In mehreren Teiluntersuchungen ließ Lang nun erneut ihren Körper durchleuchten. „Sie hat den TÜV mit Bravour bestanden“, urteilt Dinic. Und nicht nur das. Der Lungenfunktionstest zeigte, dass sie nun wieder „fünf Prozent mehr Kapazität beim Einatmen“ habe. Lang steigt also mit einem guten Gefühl, aber auch mehr Luft in den Ring. Auch die kessen Aussagen von Gegnerin Casqueiro („Ich werde sie früher in die Rente schicke“) lassen den Herzschlag bei Lang nicht höher schnellen. Im Gegenteil. „Ich will als Weltmeisterin abtreten. Ich lasse mir nicht den WM-Titel nehmen“, sagt sie.
Dr. Dinic hofft, dass sich mehr Athleten, auch Freizeitsportler, ein Beispiel nehmen und nach einer Corona-Infektion zum Sicherheits-Check gehen: „Das Bewusstsein ist bei den Menschen inzwischen mehr da, es wird ernster genommen. Aber eigentlich sollten alle nach einer Infektion kurz nachschauen lassen, ob das Herz beleidigt ist.“ Das gilt auch für die mit einem milden oder asymptomatischen Verlauf. „Gerade diese sind am meisten gefährdet für Long Covid, das zeigen die Studien“, erläutert er und führt aus: „Symptome wie Abgeschlagenheit können auch erst Monate später auftreten. Wer dann nicht einen Blick drauf werfen lässt, riskiert eine Herzmuskelentzündung, die dramatische Folgen haben kann.“
So umfassend wie bei der Kickboxerin müssten die Untersuchungen nicht sein, fügte der Mediziner noch an: „Es reicht ein 3D-Check des Herzens. Mit dieser Methode kann man alles, was von Bedeutung ist, ausschließen.“ Für Lang sind die Ergebnisse auch mit Blick auf die Zeit nach ihrer Profikarriere wichtig: „Darauf, ohne diesen Erfolgsdruck, die Beste sein zu müssen, Sport zu machen, freue ich mich am meisten. Wenn dann der Puls nicht gleich durch die Decke geht, ist das natürlich super.“