Seit gestern ist klar: Der Sport zeigt klare Kante gegen Russland. Die UEFA wird die Russen von ihren Wettbewerben ausschließen, das Champions-League-Finale hatte der europäische Verband St. Petersburg ja schon entzogen. Nur die von ständigen Korruptions-Skandalen umwitterte FIFA zögerte lange, handelte dann aber doch. Mannschaften aus dem Reich des Angriffskriegers Wladimir Putin und seines belarussischen Verbündeten dürfen nicht mehr mitspielen.
Einige Nationalverbände waren da vorher schon weiter. Polen um Bayern-Starstürmer Robert Lewandowski hatte angekündigt, nicht zu den WM-Playoffs am 24. März gegen Russland anzutreten. Auch die Schweden und Tschechen, die bis dato möglichen Nächstrunden-Gegner der Russen, wären nicht aufgelaufen, unabhängig davon, wo das Spiel stattgefunden hätte. Nun steht auch so fest, dass die WM in Katar ohne Russland über die Bühne wird – jedes andere Bild wäre für die FIFA ein globales Fiasko geworden.
Manche Clubs waren vorher schon weiter: Schalke teilte mit, die Partnerschaft mit Hauptsponsor Gazprom zu beenden. Das trifft den mit 200 Millionen Euro verschuldeten Zweitligisten hart, schließlich finanziert Russlands größter Gaslieferant für Europa rund die Hälfte des Spieleretats. Manchester United hat die Partnerschaft mit der russischen Fluglinie Aeroflot aufgekündigt.
Gazprom ist übrigens auch einer der wichtigsten Sponsoren der UEFA Champions League (und der kommenden Europameisterschaft). Auch da ist ein Ende der Partnerschaft alternativlos. „We light up the Football“ (wir erleuchten den Fußball“) lautet der Werbe-Slogan des Konzerns – das wäre für die UEFA angesichts der Bilder aus dem brennenden Kiew eine zynische und menschenverachtende Botschaft.
Der Sport ist nie unpolitisch. Als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan boykottierten 1980 (angeführt von den USA) 42 Staaten, darunter die Bundesrepublik, Olympia, ein damals nicht unumstrittenes Vorgehen. Jetzt allerdings ist ein völliger Boykott des russischen Sports und seiner Geldgeber die einzige Option, die man vor den Augen der Welt rechtfertigen kann. Zum Glück sind auch das IOC (wegen seiner laschen Haltung zu China zurecht in der Kritik) und die FIFA zu dieser Erkenntnis gelangt.
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