„Das ist Nestbeschmutzung“

von Redaktion

Ski-Zoff in Garmisch-Partenkirchen: Peter Fischer empört sich über Felix Neureuther

Garmisch-Partenkirchen – Der Ski-Zoff um Felix Neureuther und die Bewerbung seines Heimatortes Garmisch-Partenkirchen für die Ski-WM 2027 ist eskaliert. Nach dem der 37-Jährige am Rande des Slalom-Weltcups erklärt hatte, dass er eine Botschafter-Rolle wegen der handelnden Personen ablehne, schießt nun Ex-Skiklub-Boss Peter Fischer zurück.

„Es ist sein gutes Recht, seine Meinung zu äußern“, sagt Fischer – wird dann aber deutlich: „Ich schätze Felix sehr, aber wir sind in der heißen Phase. Jetzt Kritik nach außen zu tragen, schadet der WM-Bewerbung. Das ist Nestbeschmutzung.“ Zugleich betont er, dass es leicht sei, aus der Opposition heraus Kritik zu äußern. „Dann muss er mal mitarbeiten und würde sehen, was dahintersteckt, wie alles finanziert wird. Aber das passiert leider nicht.“ Zudem sei es ein Affront gegen alle, die sich aktuell für den Weltcup und die WM einsetzen.

Neureuther steht weiter zu seiner Kritik. Natürlich sei er ein Befürworter der Bewerbung, aus seiner Sicht spreche alles für seinen Heimatort Garmisch-Partenkirchen. „Aber wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht den Einfluss nehmen kann, den ich mir vorstelle, dann finde ich es nicht richtig, meinen Namen und mein Gesicht als Botschafter herzugeben.“ Er hätte sich gewünscht, dass beim Skiclub Garmisch – dem federführenden Verein der WM-Bewerbung – bei den vergangenen Wahlen frischer Wind einkehrt, eine Verjüngung stattfindet. Doch folgte beim SCG im Juli 2021 auf Peter Fischer dessen Sohn Florian als Vorsitzender. Zudem hat der Senior weiterhin den Hut in puncto WM-Bewerbung auf, er ist der entscheidende Mann. „Es wäre der Zeitpunkt gewesen, den Jungen das Feld zu überlassen. Aber das ist nicht passiert. Zudem sind da Sachen abgelaufen, mit denen ich nicht konform bin“, sagt Neureuther, ohne weiter Details nennen zu wollen.

Er macht aber klar: Ihm gehe es rein um die handelnden Personen, er wäre für Veränderungen gewesen. Der 37-Jährige möchte bei einer WM-Bewerbung Begeisterung im ganzen Ort spüren, keinen Zwiespalt. „Das schafft man aber nicht, wenn man es so macht, wie man es seit 40 Jahren macht.“ Er habe eine Familie, eine große Stiftung sowie diverse andere Jobs. „Wieso sollte ich dann meine letzte Energie in etwas investieren, das meines Erachtens falsch umgesetzt wird?“

Markus Anwander, am Gudiberg Rennleiter und Chef des alpinen Bundesstützpunktes, hätte Neureuther gerne als WM-Botschafter gesehen. Auch er bezeichnet es als legitim, dass Neureuther Kritik äußert und mit den Handelnden nicht zusammenarbeiten möchte. Aber er betont auch, dass man sich hätte an einen Tisch setzen und Probleme besprechen sollen – nicht in der Öffentlichkeit, nicht während des Heim-Weltcups, nicht zu dieser Zeit. „Taktisch unklug. Das haben auch viele der ehrenamtlichen Helfer, die sich so sehr engagieren, als respektlos empfunden.“

PATRICK HILMES

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