Der Poker beginnt

von Redaktion

Bayern will angeblich Vertrag verlängern, Lewandowski weiß nichts davon

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Die Szene, die sich vor und nach dem 1:0-Sieg des FC Bayern bei Eintracht Frankfurt am Sky-Mikrofon abspielten, wirkten ein Stück weit irritierend. Vor der Partie wurde Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45) gefragt, ob die Bayern möglicherweise im Sommer bei einem Angebot für Robert Lewandowski (32) von 50 Millionen Euro Ablöse schwach werden könnten und ihn vielleicht doch verkaufen würden. „Nein, Lewa ist ein ganz, ganz wichtiger Teil unserer Mannschaft. Er ist wieder auf dem Weg, unsere Mannschaft zu Titeln zu schießen, deswegen kommt das überhaupt nicht infrage“, antwortete Salihamidzic. Der Vertrag des polnischen Ausnahmestürmers läuft bekanntlich nur noch bis Sommer 2023. Heißt im Umkehrschluss: Wollen die Bayern nächstes Jahr nicht den nächsten Spieler ablösefrei ziehen lassen, müssen sie zeitnah mit Lewandowski verlängern. Der deutsche Rekordmeister wird laut Salihamidzic „selbstverständlich alles dafür tun“. Darüber wurde Lewandowski vor laufenden TV-Kameras nach Abpfiff in Kenntnis gesetzt. Seine überraschende Antwort: „Ich höre das zum ersten Mal.“ Nach diesem angedeuteten verbalen Schlagabtausch düfte klar sein: Der Poker um Lewy ist eröffnet!

Auch wenn es bisher noch keine Gespräche zwischen Club und Spieler gab, in den nächsten Wochen und Monaten wird es voraussichtlich wieder die eine oder andere Wortmeldungen mehr von Seiten des Stürmer, dessen Berater Pini Zahavi (78), Sportvorstand Salihamidzic und Vorstandschef Oliver Kahn (52) geben. Bei Sky sagte Lewy zu seiner Situation: „Ich weiß, wie Fußball funktioniert und bin immer offen, aber für mich ist das nächste Spiel wichtig. Das Vertragsthema ist ein Thema im Hintergrund.“

Fakt ist: Die Bayern-Verantwortlichen wollen mit ihrem zweimaligen Weltfußballer verlängern – aber um welchen Preis? Anders als bei der letzten Vertragsverlängerung spielt neben den Gehaltsvorstellungen auch die Laufzeit eine entscheidende Rolle. Zur Erinnerung: Lange Zeit verfolgten die Münchner Macher das Credo, mit Ü30-Spielern maximal zwei Jahre zu verlängern – doch das ist in Lewandowskis Augen zu wenig. Das ließ er jüngst auch im Interview mit dem französischen Fußballprogramm Telefoot1 durchblicken: „Ich will noch viele Jahre spielen, mindestens fünf Jahre! Wenn ich in zwei Jahren anfange abzubauen, denke ich vielleicht an den Ruhestand, aber derzeit noch nicht.“

In fünf Jahren wäre der Angreifer 37 Jahre alt. Unvorstellbar, dass der deutsche Rekordmeister Lewandowski trotz all seiner Verdienste und Rekorde mit solche einer Laufzeit ausstattet. Aber vielleicht lassen sich andere europäische Top-Vereine auf so einen Deal ein. Oder sie kompensieren eine kürzere Laufzeit mit einem höheren Gehalt. Lewandowski-Berater Zahavi pflegt beste Drähte zu Scheich-Club Paris Saint Germain und Real Madrid. Der Israeli transferierte bereits Ex-Bayer David Alaba (29) kostenlos zu den Königlichen. Seitdem ist vor allem das Verhältnis zu Sportvorstand Salihamidzic angespannt.

Mit beiden Klubs wurde Lewy in der Vergangenheit regelmäßig in Verbindung gebracht. Konkret auf das kolportierte Interesse der Pariser angesprochen, antwortete der Stürmer bei Telefoot1: „Ich bin noch bis 2023 beim FC Bayern unter Vertrag. Daran denke ich noch nicht.“ Eine Antwort, die viel Interpretationsspielraum lässt.

Spätestens im Sommer will Lewandowski dem Vernehmen nach Klarheit haben, wie es mit ihm und dem FC Bayern weitergeht. Bis dahin wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich der Pole zu seiner Zukunft äußert.

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