Gelb oder Gold – Geigers Titelchancen

von Redaktion

Lahti/Köln – Holmenkollen statt Honululu, Vikersund statt Waikiki: Wo andere Wintersportler nach fordernden wie frostigen Olympischen Spielen von Peking längst in die Wärme geflüchtet sind, hat Karl Geiger auch nach dem höchsten Saisonhöhepunkt der Skispringer noch große sportliche Pläne. Nach dem Verlust der Weltcup-Führung am Sonntag sinnt der Oberstdorfer auf Revanche – aber der Gewinn der großen Kristallkugel ist nicht sein einziges Ziel im heißen Schanzen-März.

„Es ist ein solider Wettkampf gewesen, von daher ist alles gut“, sagt Geiger, der am Montag von Lahti aus nach Norwegen reiste, wo sich bereits am Mittwoch die Weltcup-Hatz mit dem Auftakt zur hochdotierten Raw-Air-Serie fortsetzt: „Lahti ist abgehakt, jetzt geht es um Lillehammer.“

Nach dem fünften Platz in Finnland, der ihn das Gelbe Trikot gekostet hatte, will er nicht in Hektik verfallen. Dass der Japaner Ryoyu Kobayashi den Allgäuer mit Sieg vom Gejagten zum Jäger gemacht hat und zurzeit in Ausnahmeform springt, ist für den 29-Jährigen eher nebensächlich: „Ich habe ihn nicht genau verfolgt. Das bringt mir auch nichts.“

Mit Bundestrainer Stefan Horngacher tüftelte Geiger nach seinem mäßigen zweiten Sprung am Sonntag, mit dem er den möglichen Sieg vergab, an Einzelheiten. „Es war nicht so schlecht, aber das müssen wir genau analysieren“, sagte Horngacher. Generell bedeute der knappe Rückstand – bei noch sieben ausstehenden Springen liegt Geiger mit 1279:1322 Punkten hinten – nur eine Momentaufnahme.

Als erster Deutscher seit Severin Freund 2014/15 den Gesamtweltcup zu gewinnen, wäre für Geiger das Happy End einer starken, jedoch durchaus schwierigen Saison. Die ersten beiden Höhepunkte liefen mit Platz vier bei der Vierschanzentournee und zwei unglaublich hart erkämpften Bronzemedaillen bei Olympia ordentlich, aber nicht optimal. Die verbliebenen Trophäen, im Weltcup und vor allem bei der Skiflug-WM in Vikersund (11. bis 13. März), sind jedoch viel mehr als Trostpreise.

„Ich wüsste nicht, welches der Events ich höher gewichten würde“, sagt Geiger, der im Dezember 2020 in Planica Flug-Weltmeister geworden war: „Als Titelverteidiger war ich auch noch nirgendwo unterwegs.  sid

Artikel 8 von 11