Schalke verzichtet auf das „süße Gift“ Gazprom

von Redaktion

Im Aufstiegsfall Verzicht auf 15 Millionen – Hohe Nachfrage nach Sondertrikot

Gelsenkirchen – Schalke 04 beendet nach dem russischen Angriff auf die Ukraine seine Partnerschaft mit seinem umstrittenen Hauptsponsor Gazprom und verzichtet damit trotz großer finanzieller Probleme auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Diese gemeinsame Entscheidung des Vorstands und des Aufsichtsrats verkündete der Fußball-Zweitligist am Montag in sechs dürren Zeilen. Der Vertrag der finanziell klammen Königsblauen mit dem russischen Energieriesen lief noch bis 2025. In der zweiten Liga sollten neun Millionen jährlich fließen, bei einem Aufstieg wäre die Summe auf 15 Millionen Euro pro Saison angestiegen.

„Die vollständige finanzielle Handlungsfähigkeit des Vereins bleibt von dieser Entscheidung unberührt. Die Vereinsführung ist zuversichtlich, zeitnah einen neuen Partner präsentieren zu können“, teilten die Schalker mit. Vor 15 Jahren hatten die Gelsenkirchener Gazprom Germania, die deutsche Tochter des staatlichen russischen Unternehmens, als Sponsor gewonnen. Die Gazprom-Millionen halfen jahrelang, um in der Bundesliga-Spitzengruppe mitzuspielen und sich regelmäßig für den Europapokal zu qualifizieren.

Nach Russlands Angriff auf die Ukraine nahmen die neu besetzten Schalker Vereinsgremien eine Neubewertung der Zusammenarbeit vor. Schon beim Gastspiel am Samstag beim Karlsruher SC (1:1) hatten die Königsblauen auf den Schriftzug Gazprom auf ihren Trikots verzichtet. Die Nachfrage nach den Sondertrikots mit dem Vereinsnamen auf der Brust war so groß, dass am Montag der Onlineshop überlastet war. „Wir bitten euch um etwas Geduld“, twitterte der Club. Die Trikots in den Schalker Gründungsfarben rot und gelb mit dem Schriftzug „FC Schalke 04“ werden in begrenzter Stückzahl verkauft.

Bereits am Donnerstag hatte Gazprom-Vertreter Matthias Warnig sein Mandat im Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Geschäftsführer der Nordstream AG, der einst für die Staatssicherheit in der DDR arbeitete, gilt als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin und steht auf der Liste der US-Sanktionen. Schalkes ehemaliger Finanzvorstand Peter Peters, der die Zusammenarbeit mit Gazprom mit beschlossen hatte, sagte nun: „Wenn man Fehler macht, muss man die einräumen. Das muss man im Lichte der jetzigen Erkenntnis tun.“ Er sehe das Sponsoring als „süßes Gift. Es war süß, weil es Geld gab. Aber nun wissen wir auch, dass es Gift war“, meinte der DFB-Präsidentschaftskandidat. „Schalke 04 ist größer als jeder Sponsor und kann das mit seiner Wucht bewerkstelligen. Auch wenn es schwer wird.“  sid

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