Welt des Sports schließt Russland aus

von Redaktion

Die großen Verbände greifen zu Sanktionen – und Putin verliert einen Orden

München – Es war ein weiterer denkwürdiger Tag in der Causa: Der internationale Sport stellt sich gegen Wladimir Putin. Auch die großen und oft starren Verbände wie IOC und UEFA bewegten sich unter dem Druck einer über die russische Kriegsaggression gegen die Ukraine empörten Weltöffentlichkeit. Die Olympische Bewegung entzog Putin wegen „extrem schwerem Verstoß gegen den Olympischen Frieden“ den 2001 verliehenen Olympischen Orden und forderte die Fachverbände auf, Russland und Belarus auszuschließen. Und bei der UEFA und FIFA kam es zum Ausschluss russischer Teams von der gesamten Wettbewerbspalette: Russlands Männer-Nationalmannschaft ist raus aus den Playoffs zur WM 2022 (Polen, Tschechien und Schweden wären nicht angetreten) und somit der Endrunde in Katar, außerdem aus der Nations League. Das Frauen-Team darf bei der diesjährigen Europameisterschaft nicht antreten. Die UEFA legte noch das Ende der Sponsoren-Partnerschaft mit Gazprom drauf.

Auf Solidaritätsbekundungen aus dem Sport mit der von ihm überfallenen Ukraine mag Kriegstreiber Wladimir Putin sich eingestellt haben, doch das Tempo und die Entschlossenheit, mit denen Sanktionen nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt werden, dürften ihn auch am Montag überrascht haben. Denn durch sein Netzwerk und finanziell potente Firmen, die massives Sponsoring betrieben, glaubte er, den großen internationalen Sport unter Kontrolle zu haben. Doch sogar in Sportarten, in denen Russland eine tragende Rolle spielt, wird kein Wert mehr darauf gelegt, Putins Reich dabei zu haben. Der Weltschachverband Fide kündigte seine Sponsorenverträge mit Gazprom und Rosatom. im Eishockey baute sich ein globales Bündnis gegen Rossija auf (siehe Seite 26). Die russischen Basketball-Teams in der Euroleague werden suspendiert, die Ergebnisse wohl annuliiert.

Und es sollte erwähnt werden, dass es eine mutige kleine Sportart war, die als erste resolut durchgegriffen hatte: Orientierungslauf. Dessen im schwedischen Karlstad ansässiger Weltverband IOF hatte sich zu einem kompletten Ausschluss Russlands durchgerungen. Die IOF, die im schwedischen Karlstad sitzt, erklärte am Montagmorgen, dass russische Athletinnen und Sportler auch unter neutralem Status ab sofort nicht mehr an den Wettkämpfen im Orientierungslauf teilnehmen dürfen. „Wir möchten damit unsere Solidarität mit dem ukrainischen Verband und dessen Athleten ausdrücken“, sagte IOF-Chef Leho Haldna. „Die Situation verlangt von uns außergewöhnliche Maßnahmen, um den Weg zum Frieden zu unterstützen.“ Vom 14. bis 20. März findet in Finnland die WM im Ski-Orientierungslauf statt – ohne die Russen, die neben den Schweden die bestimmende Nation in dieser Sportart sind.

Am wirksamsten aber war das Handeln des Fußballs mit seinen starken Abhängigkeiten. Am Sonntagabend hatte die FIFA erste Sanktionen gegen Russland ausgesprochen, die sich an denen des IOC aufgrund der Doping-Vorgeschichte von 2014 orientieren: Keine Landesflagge, keine Hymne, kein „Russland“ – unter den Umständen eines Krieges viel zu schwache Zeichen. Die Korrektur erfolgte am Tag darauf. FIFA-Präsident Gianni Infantino ist dicke mit Putin, bei der WM 2018 in Russland ließ er sich vom Publikum feiern. Putin-Sympathien werden auch Red-Bull-Eigner Didi Mateschitz nachgesagt – sein Club Leipzig stellte sich nicht entschieden gegen die Austragung der Europa-League-Spiele gegen Spartak Moskau. Trainer Domenico Tedesco war gegen einen Boykott: „Es trifft immer die Falschen, die Sportler und die Fans.“ Er wurde aber überstimmt. gük

Artikel 1 von 11