München – Im November findet erstmals ein Spiel der National Football League (NFL) in München statt. Und die Vorfreude auf das Event ist riesig. Auch bei Jürgen Muth (57), wie der Geschäftsführer der Allianz Arena im Interview verrät.
Herr Muth, beim Spiel des FC Bayern gegen Fürth waren wieder 25 000 Zuschauer in der Allianz Arena erlaubt. Was war das für ein Gefühl?
Das tut dem Herzen natürlich gut. Bei den ersten Spielen, bei denen etwas mehr Kapazität zugelassen war, hat man auch bei Erwachsenen große Emotionen erlebt, endlich wieder in der Allianz Arena live dabei sein zu können. Und auch wir waren natürlich sehr froh, dass wir die Fans wieder im Stadion begrüßen durften.
Knapp zwei Jahre Pandemie. Wie nervenaufreibend war die Zeit für Sie als Geschäftsführer?
Das Schwierigste an den letzten zwei Jahren war die fehlende Planbarkeit. Wir mussten immer damit rechnen, dass sich die Vorgaben von der einen Stunde auf die nächste ändern können. Wir sind mittlerweile beim 18. Hygienekonzept. Allein diese Zahl veranschaulicht schon unseren Aufwand. Das zeigt, wie oft die Vorgaben geändert wurden und wir diese auch umgesetzt haben. Ich kann allen Besuchern nur danken, die so flexibel auf die Veränderungen reagiert haben. Ich mache aber auch kein Geheimnis daraus, dass die Zeit wirtschaftlich für uns sehr anspruchsvoll war.
Eine Vollauslastung ist absehbar in den Stadien. Muss sich der Fan erst wieder langsam an den Stadionbesuch gewöhnen, oder ist alles wie vor der Pandemie?
In den vergangenen zwei Jahren hat uns allen die Emotion eines Stadionbesuchs gefehlt. Ich schaue selbst leidenschaftlich gerne Fußball. Und es ist halt ein großer Unterschied, ob ich mir Fußball im Fernsehen anschaue oder live vor Ort mit all den Emotionen. Wir sind absolut bereit, dass die Fans zurückkommen. Wenn wir morgen vor 75 000 Zuschauern spielen dürften, wären wir dafür aufgestellt.
Im November kommt mit der NFL neuer Schwung in die Allianz Arena. Wie groß war die Freude, dass es die Zusage für den Standort München gab?
Die Allianz Arena ist die Heimat des FC Bayern München, und ein wesentliches Argument für die NFL war die sehr gute Beziehung zum FC Bayern. Der Vertrag zur Austragung wurde ja auch entsprechend zwischen der NFL und dem FC Bayern München geschlossen. Zudem haben wir uns durch die Großereignisse qualifiziert, die wir schon ausgetragen haben. Die Zusage hat mich sehr gefreut. Es ist das erste große Nicht-Fußball-Ereignis, das wir in der Allianz Arena durchführen werden. Ich bin der Landeshauptstadt München für die Kooperation sehr dankbar. Die Football-Fangemeinde in Deutschland ist riesig, und da es hier so viele NFL-Begeisterte gibt, wird es sicher ein tolles Event.
Wann hatten Sie das erste Mal mit der NFL Kontakt?
Seit August im vergangenen Jahr liefen die Gespräche auf Hochtouren. Die NFL ist ein hochprofessioneller Verband, vergleichbar mit der UEFA, mit der wir ja schon zahlreiche Erfahrungen gemacht und konstruktiv zusammengearbeitet haben. Ich glaube, die NFL freut sich genauso auf das Spiel in Deutschland, wie wir es tun.
War es für Sie sofort klar, dass die Allianz Arena für ein NFL-Spiel bereit ist?
Wir haben tatsächlich erstmal intensiv darüber nachgedacht. Auch vor dem Hintergrund, dass wir ein reines Fußballstadion sind und die Zuschnitte eines American Football Stadions anders sind. Das Feld ist dort länger und schmaler. Ich gebe zu, da haben wir erst mal ausgemessen, ob das Feld überhaupt reinpasst (lacht). Auch andere Anforderungen sind nicht mit einem Fußballspiel vergleichbar. Bestes Beispiel sind die Mannschaftskabinen, weil dort wesentlich mehr Teammitglieder untergebracht werden müssen. Da denken wir über provisorische Erweiterungsmöglichkeiten in den anderen Räumen nach.
Was muss noch beachtet werden?
Wichtig ist, dass wir das Spielfeld so umbauen, dass es danach schnell wieder für unser Kerngeschäft Fußball genutzt werden kann. Nach dem NFL-Spiel werden wir den Rasen neu verlegen. Neu ist für uns auch, dass wir während des NFL-Spiels beispielsweise mobile Röntgengeräte in der Arena haben werden, da während eines Footballs-Spiel durchschnittlich zwei Röntgenvorgänge stattfinden.
Wie sieht es mit Ihrer eigenen Football-Affinität aus?
Ich habe mich bisher noch nicht reingefuchst, aber das kommt natürlich noch (lacht). Es sind so komplizierte Regeln. Der größte Unterschied zu einem Fußballspiel ist, dass ein Footballspiel meiner Erfahrung nach eher ein Event ist. Die dauerhafte Konzentration ausschließlich auf das Spiel gibt es so eher nicht. Der Fan verfolgt dieses Event, ist aber auch viel mit anderen Dingen wie z. B. networking beschäftigt.
Die Stadien in Amerika sind oft eher Vergnügungsparks. Wird man in der Allianz Arena auch mal ein Spiel aus dem Whirlpool raus verfolgen können?
Ich denke, der FC Bayern ist für seine bodenständigen Werte bekannt. In Helsinki habe ich mal eine Loge gesehen, die zu einer Sauna umgebaut wurde. Sowas kann und will ich mir für die Allianz Arena nicht vorstellen.
Ein Blick voraus auf die EM 2024, die auch eine Wende beim Thema Nachhaltigkeit in den Stadien sein soll. Was können wir uns darunter vorstellen?
Nachhaltigkeit war in unserem Arbeitsalltag neben Corona ein weiteres wesentliches Thema der letzten zwei Jahre. Wir wollen uns bei der EURO auch gesellschaftspolitisch zeigen. Wir haben u. a. einen Arbeitskreis Nachhaltigkeit, der auf Ministeriumsebene von der öffentlichen Hand besetzt ist, mit dem wir uns regelmäßig abstimmen. Es geht um Bereiche wie Mobilität, mit dem Ziel, diese möglichst nachhaltig zu gestalten. Auch bei den Energie-Konzepten und dem Abfall gibt es Potenziale zur Verbesserung. Wir können Leuchtturmprojekte schaffen, die eine Signalwirkung für andere haben. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir eine nachhaltige Europameisterschaft 2024 veranstalten werden.
Interview: Nico-Marius Schmitz