München – Mitte der ersten Halbzeit war der Basketball im Audi Dome bei diesem Duell des FC Bayern mit den Hamburg Towers endgültig zur Nebensache geworden. Es war der Moment, in dem Bayerns Nick Weiler-Babb bei einer Korbaktion die Kontrolle verlor und mit dem Kopf voraus auf den Boden knallte.
Dramatische Szenen folgten. Sanitäter die mit Tüchern den Blick auf die Mediziner verbargen, die sich um den bewusstlosen US-Profi bemühten. Nach einigen Minuten wurde Weiler-Babb unter dem Applaus der schwer schockierten Zuschauer in die Katakomben der Arena am Westpark gefahren. Begleitet von erster Entwarnung. Der 26-Jährige war wieder bei Bewusstsein, er konnte sich bewegen. Eingehende Untersuchungen in der Klinik sollten weitere Aufschlüsse über mögliche Verletzungen bringen.
In der Halle begann für die Verantwortlichen die Frage nach dem Warum. Bayerns Sportchef Daniele Baiesi zürnte der Hamburger Defensive. „Es war sicher keine Absicht“, sagte er, „aber es war wieder ein unnötiger Kontakt mit dem Nick zur Fall gebracht wurde. Das will keiner sehen.“
Der übertragende Sender Magentasport wollte Baiesis Ansicht nicht vollends bestätigen. Der Internetanbieter zeigte die Bilder von Weiler-Babbs Crash nicht noch einmal. Die Analyse im Übertragungswagen ließ aber: Wohl eher ein Unfall. Weiler-Babb war beim Versuch eines Dunkings am Ring abgerutscht und hatte die Kontrolle verloren. Am Ende spielte es nur bedingt eine Rolle. Auch für Marko Pesic: „Wichtig ist, dass er hoffentlich nicht schwerer verletzt ist.“
Vor diesem Hintergrund war die eigentliche große Meldung dieses Abends fast nebensächlich geworden. Paul Zipser war zurück. Der Mann, der Basketball-Deutschland im Juni in Atem gehalten hatte als er sich wegen einer gutartigen Tumors einer Gehirnoperation unterziehen musste. Zipser stand nach monatelangem Aufbautraining erstmals wieder im Kader. Sein Beitrag war noch überschaubar, für 15 Sekunden ließ Trainer Andrea Trinchieri den Publikumsliebling Wettkampfluft schnuppern. Doch die Hoffnung steigt, dass Zipser vielleicht tatsächlich noch zum sportlichen Faktor werden könnte im Endspurt dieser so wechselhaften Saison.
Und nicht nur er, mit Darrun Hilliard und Nihad Djedovic unternahmen zwei weitere Langzeitverletzte auf Münchner Seite ihre ersten Gehversuche zurück im Bayern-Trikot.
In einem Spiel, in dem beide Seiten zunächst gemeinsam ein deutliches Statement gegen den Krieg in der Ukraine abgaben. „No more war“ – kein Krieg mehr – stand auf den schwarzen Aufwärmshirts, die alle Spieler trugen. Und auf dem Feld? Brauchten die Bayern eine Halbzeit, um den Schock über den Unfall von Nick Weiler-Babb abzulegen. Mit einer fulminanten Aufholjagd machten die Münchner aus einem 28:46-Pausenrückstand noch einen 86:75-Sieg – aber das war am Ende nur ein kleiner Randaspekt.