15 Sekunden Glückseligkeit

von Redaktion

Paul Zipser kehrt nach seiner Gehirnoperation ins Bayern-Team zurück

VON PATRICK REICHELT

München – Nach getaner Arbeit schlenderte Paul Zipser mit fast schon entrücktem Gesichtsausdruck durch den Innenraum des Audi Dome. Holte sich den ein oder anderen Knuddler ab, so wie von Bayerns Basketball-Chef Marko Pesic. Bis er schließlich auf seinen Vater Dieter traf, der für den besonderen Moment des Sohnes nach München gereist war. Auge in Auge standen die beiden lange auf dem Feld. Und vermutlich wird an beiden noch einmal die bewegte Geschichte der letzten Monate vorübergezogen sein.

Die Geschichte, die im Juni begann, als sich Zipser wegen eines gutartigen Tumors einer Gehirnoperation unterziehen musste. Der Kampf, den er seinerzeit aufnahm, war vor allem ein Kampf um den Weg zurück ins Leben. Und nun hat er es also wieder aufs Spielfeld geschafft.

Mitte der zweiten Halbzeit des Duells mit den Hamburg Towers grölte Hallensprecher Thomas Kilian Zipsers Namen besonders laut durch den Audi Dome. „Der Moment, als ich meinen Namen gehört habe, ist ein Moment, den ich nie mehr vergessen werde“, schrieb Zipser später auf Instagram. Es waren nur 15 Sekunden, die er erste Wettkampfluft, schnuppern durfte. In den nächsten Wochen wird der Mann, der seit einer Woche wieder voll mit dem Münchner Team trainiert, an höhere Belastungen herangeführt. Wie weit es für ihn in dieser Saison noch gehen wird, das ist im Moment noch nicht abzusehen.

Doch die bloße Rückkehr kommt auch für die Bayern-Macher einem Märchen gleich. „Diese 15 Sekunden sind für mich wie 150 Minuten“, sagte Pesic. „Das ist für mich eine Welt, über die ich sehr, sehr glücklich bin.“ Sportchef Daniele Baiesi sah es ähnlich. Der Italiener bedauerte sogar ein wenig, dass Zipsers Rückkehr durch den Horrorunfall von Kollege Nick Weiler-Babb in den Hintergrund gerückt war: „Das ist eigentlich nicht fair für ihn.“

Wobei die Macher natürlich auch aus nächster Nähe mitbekommen hatten, wie weit die Umstände den Modellathleten aus Heidelberg zurückgeworfen hatten. Von der Reha am Tegernsee, wo er mit Hilfe von Krücken das Laufen wieder lernen musste. Bis hin zu vielen Wochen Einzeltraining in der Halle.

Glaubt man Marko Pesic, dann war es die besondere Persönlichkeitsstruktur des vielleicht besten deutschen Basketballers der BBL, die beim langen Weg zurück geholfen hat. „Der Paul ist manchmal sehr verpeilt, ein großes Phlegma“, sagte der Bayern-Chef, „das war in der Situation seine Stärke. Er hat das wirklich Punkt für Punkt alles abgearbeitet. Jeden einzelnen Schritt.“

Auch für Trainer Andrea Trinchieri war Zipsers Einwechslung ein hochemotionaler Moment. Die Bilder sind noch in bester Erinnerung, wie sich der Italiener nach der Finalserie gegen Alba Berlin ein Zipser-Trikot übergestreift hatte und tief bewegt über seine Gefühle sprach. Den Forward nun wieder im Einsatz zu sehen, sei ein „Segen und ein Wunder zugleich“, betonte er. „Es ist erst der erste Schritt für ihn, lebendig zu sein. Teil von etwas“, sagte Trinchieri, „Das ist erst der Beginn, das Beste kommt noch.“

Wohl noch nicht an diesem Freitag (20.45 Uhr), wenn die Bayern im Audi Dome das immens wichtige Euroleague-Spiel gegen Olympiakos Piräus, das vorletzte Heimspiel vor dem Ende der Hauptrunde, vor der Brust haben. Zipser dürfte vor allem über die Bundesliga wieder an größere Rollen herangeführt werden.

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