IPC-Präsident Parsons

Befremdlicher Zickzack-Kurs

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Bei Paralympischen Spielen geht es bekanntlich um weit mehr als nur um Edelmetall. Hier sind Sportler am Start, die es geschafft haben, ihr Leben unter schwierigen Umständen zu meistern, das Schicksal zu besiegen – um damit zum Vorbild zu werden. Das verdient allergrößten Respekt. Der vielbeschworene, von Idealismus geprägte olympische Geist tritt bei diesem Sportevent wohl am strahlkräftigsten in Erscheinung. Umso bedauerlicher, dass sich derlei von den Führungskräften des Paralympischen Komitees (IPC) nicht behaupten lässt. Vielmehr stiftete der Zickzack-Kurs, den IPC-Präsident Andrew Parsons zuletzt einschlug, weltweites Befremden.

Der in Rio de Janeiro geborene Brasilianer mit schottischen Vorfahren weigerte sich noch am Mittwoch, die Sportler aus Russland und Belarus von den Paralympics auszuschließen – und verweigerte sich damit der globalen Boykott-Übereinkunft. Schon tags darauf machte Parsons – glücklicherweise – einen Rückzieher und schickte die Sportler aus dem Land des Kriegstreibers W. Putin nach Hause. Dies allerdings nicht aus über Nacht gewonnener Einsicht, sondern mit der Begründung, der internationale Druck, den die erste Entscheidung des IPC auslöste, sei zu groß geworden. Von innerer Überzeugung kann da natürlich nicht die Rede sein, und Parsons’ Widerwillen – so steht zu befürchten – dürfte dem olympischen Frieden nicht besonders zuträglich sein.

Sicher, die Behindertensportler aus Russland und Belarus sind für den nicht verantwortlich zu machen. Und es ist in der Tat traurig, dass ihre paralympischen Träume geplatzt sind. Aber die wirklich Leidtragenden in diesen finsteren Tagen sind die Menschen in der Ukraine, dem Land, über das unvorstellbares Unheil hereingebrochen ist. In der Heimat der ukrainischen Paralympics-Sportler wird gebombt, geschossen und gestorben. Und nun sollten sie in Peking gegen Athleten antreten, die aus dem Land der Aggressoren kommen? Ohnehin sollte es für die westliche Welt eine Selbstverständlichkeit sein, im Schulterschluss zur Ukraine zu stehen, die sich derzeit verzweifelt gegen eine Übermacht zur Wehr setzt.

Parsons aber scheint hier jedes Feingespür zu fehlen, beharrt stattdessen stur auf der These, Politik habe absolut nichts im Sport zu suchen. Eine Ausflucht, die nicht nur die bitteren Realitäten missachtet – sondern Parsons auch als internationalen Sportführer disqualifiziert.

Armin.Gibis@ovb.net

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