Eröffnung im Schatten des Krieges

von Redaktion

Trotz bunter Feier ist die Stimmung bei den Paralympics gedrückt – Zensur von Parsons Rede

Peking – Als der chinesische Präsident Xi Jinping um 21.02 Uhr Ortszeit die traditionelle Eröffnungsformel sprach, schien die heile Welt der Paralympics von Peking für einen Moment perfekt. Dabei liegt schon mit Beginn längst ein dunkler Schatten auf den Spielen. Statt im Zeichen des Friedens startet das Sportfest der Behindertensportler ganz unter dem grauenvollen Eindruck des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine – der Sport wird längst überlagert.

Sei es der Ausschluss der russischen und belarussischen Athleten, die Menschenrechtslage in China oder schlicht das Dauerthema Corona. So ganz unbeschwert lief da auch die deutsche Mannschaft angeführt von den Fahnenträgern Anna-Lena Forster und Martin Fleig kurz nach der so gebeutelten ukrainischen nicht ins „Vogelnest“ ein. Auch auf sie warten sicher extrem komplizierte Spiele – die Brennpunkte beschäftigen alle Nationen. „Das 21. Jahrhundert ist eine Zeit von Frieden und Diplomatie, nicht von Krieg und Hass“, sagte IPC-Präsident Andrew Parsons energisch. Der olympische Friede müsse sowohl während der Olympischen als auch der Paralympischen Spiele „respektiert und geachtet“ sowie „nicht verletzt werden“, so der Brasilianer weiter. Medienberichten zufolge wurde aber genau das im chinesischen Staatsfernsehen zensiert. Die Übersetzung setzte an der betreffenden Stelle aus, der Originalton weggedreht.

Parsons sagte „Paralympische Sportler wissen, dass ein Gegner kein Feind sein muss und dass man zusammen mehr erreichen kann.“ Ein erstes Zeichen in diese Richtung setzte die ukrainische Mannschaft angeführt von Fahnenträger Maxim Warowji. „Für uns ist es eine Frage des Prinzips, hier zu sein, es ist ein Symbol, das zeigt, dass die Ukraine lebt“, sagte Suschkewitsch: „Unsere Anwesenheit hier bei den Paralympischen Spielen ist nicht nur eine Anwesenheit. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Ukraine ein Land war, ist und bleiben wird.“

Zumindest in Peking entwickelte sich die Causa Russland für die Ukraine positiv. Die Zulassung als neutrale Athleten machte das IPC gut 20 Stunden später wieder rückgängig, es folgte der Ausschluss. Und der bleibt auch bestehen. Das Russische Paralympische Komitee verzichtet mangels Erfolgsaussichten auf den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS, mit einer heftigen Schelte wurde die Abreise der Sportler angekündigt.

Für die deutschen Fahnenträger erfüllte sich bei der Eröffnungsfeier ein Lebenstraum. Forster sprach von einer „großen Ehre“, Fleig schwärmte von „etwas ganz Besonderem. Wenn man die Namen durchgeht, sich in der Reihe zu positionieren, ist ein ganz krasses Gefühl“, so der 32-Jährige. Die Stimmung unter den Sportlern war nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes, Friedhelm Julius Beucher, aber „gedrückt“. Fleig sagte: „Für mich persönlich ist es ein bisschen befremdlich und schwierig, sich auf das Wesentliche einer Sportveranstaltung zu konzentrieren.“

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