München – Es darf wieder geträumt werden auf Giesings Höhen. Nach zwei Siegen gegen Zwickau (3:1) und Lautern (2:1) fuhr der TSV 1860 München am Freitag gegen den Abstiegskandidaten aus Verl den dritten Dreier in Folge ein und wird in der 3. Liga nun mehr denn je als Aufstiegskandidat geführt. Mit dem ungefährdeten 2:0 (2:0)-Sieg gegen den Sportclub aus NRW steht Sechzig vorübergehend auf Rang sechs keine zwei Punkte vor der drittplatzierten Eintracht aus Braunschweig entfernt. Die Niedersachsen weisen auf dem Relegationsplatz zwar zwei Spiele weniger auf als die Löwen, der blauweiße Blick muss jetzt jedoch unweigerlich nach oben schweifen. Auch wenn Michael Köllner dies erwartungsgemäß nicht zugab. „Nee, vor ein paar Tagen lag hier noch alles in Schutt und Asche“, so der Cheftrainer der Münchner nach Schlusspfiff bei MagentaSport. „Wir genießen den Tag und wollen am Freitag in Berlin wieder eine gute Leistung zeigen.“
Trotz der zwei Siege in Folge änderte der Coach seine Startelf auf einer Position. Nach abgesessener Gelbsperre rückte Richard Neudecker für Dennis Dressel in die Zentrale, allzu rund lief es für die Löwen zunächst allerdings nicht. Verl hinderte Sechzig an einem geordneten Spielaufbau und ließ sich in der Folge auch gelegentlich vor Schlussmann Marco Hiller blicken – und das nicht ungefährlich. Cyrill Akono kam in der ersten Viertelstunde sogar zweimal durchaus ungehindert zum Abschluss, zielte aber zunächst über das Gehäuse (3. Minute) und kurz später in die Arme des Löwen-Torhüters (16.). Die Gäste waren am Drücker, die Löwen zu zahm.
Fünf sagenhafte Minuten der Sechziger reichten jedoch, um das Grünwalder wieder in ein Tollhaus zu verwandeln. Yannick Deichmann bekam auf der rechten Seite zu viel Platz und hob eine Flanke der Kategorie butterweich in den Strafraum, wo Merveille Biankadi mutterseelenallein per feinem Scherenvolley zum 1:0 (25.) abschloss. Die 7900 Fans feierten noch, als es keine fünf Minuten später erneut klingelte: Der bärenstarke Biankadi schickte diesmal Marcel Bär auf die Reise, der den Bilderbuchkonter der Löwen mit der Pieke vollendete (30.). Hiller, erneut gegen Verls Akono, sorgte mit einer starken Parade vor dem Halbzeitpfiff dafür, dass Köllners Männer mit dem 2:0-Vorsprung in die Kabine gingen.
Bär war es, der kurz nach Wiederanpfiff den Deckel hätte draufmachen können. Nach dem nächsten feinen Zuspiel von Biankadi tauchte er erneut allein vor Niclas Thiede auf, behielt jedoch nicht die Nerven und schoss Verls Torwart an (47.). Auch wenn Tor Nummer drei die gesamte zweite Hälfte lang in der Luft lag, blieb es nach 90 Minuten dabei. Den Löwen-Fans auf der Tribüne war das egal. Sie tanzten. Sie sangen. Sie träumen wieder. JOSÈ CARLOS MENZEL-LÓPEZ
JACOB ALSCHNER