München – In der Nacht auf den 24. Februar rissen Dayana Yastremska „unerklärliche Geräusche“ aus dem Schlaf. Explosionen, laute Knalle. Die 21-jährige Tennisspielerin, die in der Küstenstadt Odessa wohnt, redete sich ein, dass alles nur ein Traum sei, schlief wieder ein. „Dann bin ich aber wieder aufgewacht, habe dieselben Geräusche gehört. Ich bin zu meinen Eltern gegangen und habe gefragt: Was ist hier los?“ erzählt sie dem Podcast „No challenges remaining“.
Der Krieg in der Ukraine hat auch die Familie Yastremska überrascht. „Alles kam so unerwartet und schnell. In unserer Stadt gab es schon Kämpfe, Panzer waren da und Raketen. Die Stadt wurde zerstört, Leute sind gestorben. Was sollen wir jetzt tun?“
Der Plan des Vaters: die Familie mit einem Van aus dem Land bringen, nach Rumänien fahren und von dort weiter nach Lyon zum ATP-Turnier reisen. Doch alle Flüge wurden gestrichen, die Fahrt mit dem Auto aufgrund der Bomben zu gefährlich. An der Grenze musste die Familie Abschied nehmen. Dayana stieg mit ihrer 15-jährigen Schwester Ivanna in ein Boot Richtung Rumänien, Mutter Maryana blieb zur Unterstützung bei Vater Alexander in der Ukraine: „Wir haben unsere Eltern gesehen und haben unglaublich viel geweint, weil wir nicht wussten, wann und wo wir sie das nächste Mal sehen werden.“
Mit dem Flugzeug erreichten die Yastremska-Schwestern sicher Lyon. Im Doppel scheiterte das Duo, im Einzel zog Dayana gestern ins Halbfinale ein. Wobei die Ergebnisse ohnehin nebensächlich sind. „Ich bin müde, emotional und physisch. Ich habe viel Energie verloren“, sagt Dayana nach ihrer Flucht. Ihr Herz sei in der Ukraine geblieben. nms