München – Jetzt zählt es besonders. Vor genau zwei Wochen sprach Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (34) von bevorstehenden „fünf wichtigen Spielen in der Liga“. Zwei davon hat die Mannschaft des deutschen Rekordmeisters bereits hinter sich gebracht, gewann in Frankfurt mit 1:0 und teilte sich mit Leverkusen (1:1) die Punkte. An disem Samstag (15.30 Uhr, Sky) müssen die Münchner in Hoffenheim ran. Klar ist: Die Bayern befinden sich in einer entscheidenden Phase der Saison, an deren Ende zumindest Nagelsmanns erster und Bayerns zehnter Meistertitel in Folge stehen soll.
„Die fünf Spiele sind einerseits kalendarisch bedingt, weil sie zu einem Zeitpunkt kommen, in dem viele Weichen gestellt werden“, erklärte Nagelsmann am Freitag. Auch das 7:1 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Salzburg (Hinspiel 1:1) hatte auf Nagelsmanns Weg Richtung Titel eine hohe Bedeutung. „Du hinterlässt in beiden Wettbewerben ja immer auch ein gewisses Zeichen an den Gegner“, meinte der Coach.
Andererseits habe er die fünf Liga-Spiele, zu denen auch die Partien gegen Union Berlin (19. März, 18.30 Uhr) und in Freiburg (2. April, 15.30 Uhr) gehören, auch deshalb auserkoren, weil die Gegner „sehr toughe Mannschaften“ seien. „Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass, wenn die nächsten drei Spiele vorbei sind, die Saison gelaufen ist“, betonte Nagelsmann. Es gebe in einer Saison stets vorentscheidenden Phasen, „und da zähle ich die fünf Spiele bzw. die drei, die verbleiben, auf jeden Fall dazu“.
Nächster Schritt für den Tabellenführer: das Spiel beim Viertplatzierten Hoffenheim. Eine besondere Partie für Nagelsmann. Weil hier der steile Aufstieg seiner Trainer-Karriere im Profifußball begann. Weil anders als bei seinen Corona-Geisterspielsiegen mit RB Leipzig dieses Mal endlich wieder Fans in der PreZero Arena in Sinsheim erlaubt sind. „Darauf freue ich mich“, sagte Nagelsmann, der auch auf den Empfang der 25 600 Zuschauer gespannt ist. „Das Auspfeifen ist hoffentlich jetzt vorbei“, sagte Nagelsmann, der Hoffenheim vor zweieinhalb Jahren verlassen hat. Nun freut er sich „auf eine Rückkehr dahin, wo ich unglaublich schöne neun Jahre verbracht habe“.
Im Februar 2016 stieg Nagelsmann bei den damals abstiegsbedrohten Hoffenheimern zum Cheftrainer auf, schaffte den Klassenerhalt und führte die TSG sensationell erst in die Europa sowie danach in die Champions League. Auch privat fühlte er sich wohl. Die Region um Heidelberg nannte er am Freitag „die Toskana Deutschlands“. Es sei „die einzige Region mit München, wo ich mir auch vorstellen könnte, dauerhaft zu leben“.
Trotz aller Harmonie – vor Hoffenheim mit Trainer Sebastian Hoeneß (39), mit dem sich Nagelsmann hin und wieder austauscht, warnte Nagelsmann: „Sie haben die letzten vier Spiele gewonnen, extrem viele Flanken, viele intensive Läufe und nach uns die meisten Kilometer in der gegnerischen Hälfte abgespult. Es ist eine Mannschaft, die unglaublich gefährlich ist.“ Gerade über die linke Seite von David Raum (23). Vorbereitet müsse der FC Bayern laut Nagelsmann auch auf Bälle hinter die Abwehrkette sein. „Sie finden immer einen guten Mittelweg zwischen Gezocke im Aufbau und geradlinigen Angriffen“, so Nagelsmann, der auch darauf verwies, dass Hoffenheim von den letzten fünf Heimspielen gegen Bayern drei gewinnen konnte. „Von daher sind wir gut gewarnt – wir müssen eine Topleistung abrufen.“