München – Spielen die Bayern auf Zeit? Liegt es am Berater? Oder gar am Alter? Wie dem auch sei: Einer der besten Stürmer, die sich je das Dress von Bayern München übergestreift haben, kann den Club in exakt drei Monaten und 15 Tagen ablösefrei verlassen. Die Rede ist von Robert Lewandowski, dessen Vertrag an der Isar 2023 endet und der auch nicht gerade begeistert zu sein scheint ob der Passivität der Münchner Chefetage.
Auch wenn der Pole stets um Diskretion bemüht ist, wird dies bei seinen öffentlichen Äußerungen immer klarer. Als der Stürmer vor zwei Wochen mit den Aussagen von Sportvorstand Hasan Salihamidzic konfrontiert wurde, wonach man ihn unbedingt halten wolle, konterte Lewandowski kühl: „Das höre ich zum ersten Mal.“
In der Tat ist die Personalie eine verzwickte. Das Alter, das Geld, der Markt – all das spielt insbesondere bei den Überlegungen der Bayern-Seite eine nicht unwesentliche Rolle. Wie lange trifft Lewandowski, der zu Beginn der kommenden Saison bereits 34 Jahre alt sein wird, noch wie am Fließband? Will – und kann – man dem Bestverdiener in Corona-Zeiten noch mehr als die bisherigen 23 bis 25 Millionen Euro an Jahressalär zahlen? Und was, wenn der Rekordmeister letzten Endes und wider Erwarten doch noch ein Wörtchen mitreden kann bei der Zukunft des umworbenen Dortmunders Erling Haaland?
Alles in allem nachvollziehbare Argumente – würde man damit aber nicht eine Vereinslegende hinhalten, die in den vergangenen Jahren alles kurz und klein geschossen hat. Und dessen Gedanken an einen Tapetenwechsel zum Ende seiner Karriere angesichts der momentanen Situation bei seinem Arbeitgeber nach Informationen unserer Zeitung wieder auflodern. Ein in Deutschland sehr gut vernetzter Berater, der es vorzieht, anonym zu bleiben, weiß auch: „Die Züge Madrid und Barcelona sind in diesem Alter abgefahren. Ich bin überzeugt davon, dass Lewandowski verlängern wird. Er ist auch gut beraten, dies zu tun. Das Gesamtpaket Bayern bekommt er – sportlich wie finanziell – nirgendwo anders.“ Was die Münchner angeht, fügt der Agent an: „Es ist normal, dass die Bayern abwarten und jemanden wie Haaland im Auge behalten.“
Dass beide Seiten trotz der Spannungen augeinander angewiesen sind, ist aber offensichtlich. Lewandowski braucht Bayern, weil er dort zum Ende seiner Karriere am besten aufgehoben ist. Und die Bayern benötigen Lewandowski, weil es für sie angesichts der utopischen Zahlen, die die Haaland-Seite aufruft, aktuell keinen besseren Stürmer gibt.
Fundamental ist jedoch auch, was der Spieler selbst will und seinem – beim FC Bayern bestens bekannten – Berater Pini Zahavi mitgeteilt hat. Anders als bei seinem Klienten David Alaba, den er vergangenen Sommer ablösefrei zu Real Madrid beförderte, sind dem gut vernetzten Israeli bei Lewandowski angesichts der Vertragsdauer (2023 wäre sein Klient bereits 35 Jahre alt) allerdings weitestgehend die Hände gebunden. Der FC Bayern weiß um die Vorteile seiner Verhandlungsposition.
Der Verein muss nur hoffen, dass Robert Lewandowski, der Unantastbare, sich nicht ernsthaft verletzt und mal länger ausfällt. Die gestrige Einheit brach er nach einem missratenen Schussversuch vorzeitig ab. Laut FC Bayern handelt es sich aber nur um eine „kleine Blessur“.