Frankfurt/Main – Der Bundestrainer ist befangen. Wenn die Nationalmannschaft am Samstag im Hoffenheimer Stadion auf Israel trifft (20.45 Uhr, ZDF), hofft Hansi Flick auf eine gute Leistung des israelischen Stürmers Munas Dabbur (29). Hintergrund: Flick hat den Angreifer, der in der Bundesliga für die TSG 1899 Hoffenheim aufläuft, bei „Communio“ (einem Bundesliga-Tippspiel, Anm. d Red.). „Da macht er leider zu wenig Punkte und muss sich mehr anstrengen. Damit muss er aber nicht unbedingt schon morgen anfangen“, scherzte der Nationaltrainer am Freitag in Frankfurt.
Es ist als gutes Zeichen zu werten, wenn der Bundestrainer nach den ersten Trainingstagen im WM-Jahr zu Scherzen aufgelegt ist. Das lässt auf ein entsprechendes Engagement seiner Kicker in den bisherigen Übungseinheiten schließen. „Wir wollen gut vorbereitet sein auf das Spiel und letztendlich einen guten Start in das für uns so wichtige Jahr 2022 hinlegen“, gibt Flick die Richtung für den Auftakt ins Turnierjahr vor – und sagt bezüglich der WM-Wackelkandidaten im DFB-Team: „Wir gucken ganz genau hin: Wer hat die Qualität, für dieses Team wichtig sein zu können?“
Nach Katar will er laut eigener Aussage nur Profis mitnehmen, „die die mentale Entwicklung machen, bei solchen Spielen ihre Leistung abzurufen. Alle Spieler haben noch acht Monate Zeit, mit Leistung zu zeigen, dass sie hier zu uns ins Team wollen.“
Wie schon zu seinen Zeiten als Trainer des FC Bayern – als er im Herbst 2019 eine scheinbar „tote“ Mannschaft übernahm und trotzdem umgehend die Champions League als Saisonziel ausrief – kommt für den Bundestrainer nur ein Ziel infrage: Den WM-Titel zum fünfen Mal nach Deutschland holen. Nicht umsonst haben Kapitän Manuel Neuer (35) und Oliver Bierhoff als Direktor Nationalmannschaft und Akademie (53) bereits mehrmals öffentlich denselben Plan geäußert. Sieben Siege in sieben Partien nach Flicks Amtsantritt lassen das angekratzte Selbstbewusstsein der Nationalspieler wieder wachsen – das Mia-san-mia-Gefühl in DFB-Version.
Flick schreckt zum Jahresbeginn aber nicht vor klaren Ansagen an einzelne Spieler zurück. „Nico ist manchmal ein Tick bequem, aber dafür, wie wir Fußball spielen wollen, muss er immer aktiv sein“, mahnte Flick in Richtung des Freiburger Innenverteidigers Nico Schlotterbeck (22). Deutliche Worte wählte er bei Chelsea-Stürmer Timo Werner (26/siehe Text unten): „Am Ende ist jeder Einzelne für sich selbst verantwortlich. Da muss er vielleicht im Training noch das ein oder andere mehr anbieten, damit er zum Spielen kommt.“
Diese Spielpraxis hat Julian Weigl (26) von Benfica Lissabon zurück ins DFB-Team geführt und den Mainzer Anton Stach (23) zur ersten Nominierung verholfen. Die beiden Sechser könnten in Katar laut Flick eine „verlässliche Alternative“ für Mittelfeldchef Joshua Kimmich (26) sein und dürfen bereits gegen Israel vorspielen, da das dritte Kind im Hause Kimmich noch auf sich warten lässt.
„Wir wollen überprüfen, ob wir alles richtig gemacht haben oder nachjustieren müssen“, lautete Flicks Arbeitsauftrag an sich selbst für die Israel-Partie. Weitere Überraschungen bei den nächsten Länderspielen sind nicht ausgeschlossen: „Wir sind immer offen für Spieler, die eine Topleistung abrufen.“