Und nun noch zum Sport. Wer dabei allerdings ein wenig Ablenkung zu finden glaubt in tristen Zeiten, wird möglicherweise enttäuscht. Viel besser nämlich sind die Menschen hier nicht, und war es nicht sogar auch der Sport, der diesen Putin hofiert und getätschelt, der selbst krasse Verfehlungen Russlands nur milde sanktioniert hat? Der Putins Größenwahn förderte, als er ihn als noblen Gastgeber Olympischer Spiele und einer Fußball-Weltmeisterschaft präsentierte?
Die so gern betonte Rolle des Sports als Friedensstifter sollte man nicht erst jetzt zumindest mal hinterfragen. Wie aber sollte einer Frieden stiften, der selbst seine Werte verkauft hat, der voller Gier ist nach Macht und Moneten? Wir hatten ihn anders kennengelernt, damals, als wir jung waren. Man hat uns von wunderbaren Dingen erzählt, die der Sport vermittelt (mal ganz abgesehen von Gesundheit), von Toleranz, Respekt, von der Kraft zur Integration. Heute erleben wir ihn als die Raupe Nimmersatt, unermüdlich angetrieben von gierigen, skrupellosen Funktionären, die für den Profit sogar ihre Großmutter verkaufen würden.
Sie merken, lieber Leser, der Autor ist, sagen wir mal, desillusioniert über all die Jahrzehnte, in denen er sich intensiv beschäftigt hat mit dem Thema. Noch immer ist er, nach Corona mehr denn je, überzeugt, wie wichtig Sport ist, wie sehr er dazu beiträgt, Kinder und Jugendliche zu gesünderen, vielleicht zu besseren, selbstbewussteren, sogar erfolgreicheren Menschen zu machen. Aber was sich oben abspielt in den Chefetagen der Verbände, das spottet schon jeder Beschreibung. Oder?
Da muss man nicht einmal auf Infantino und die FIFA deuten oder auf das IOC des Putin-Freunds Bach, selbst hier in Deutschland, das sich so gerne als letzte Bastion des Guten gibt, passieren dubiose Dinge, verschwinden Gelder in dunklen Kanälen, massive Vorwürfe und Verdächtigungen werden nicht aufgeklärt, es wird gelogen und betrogen. Dann werden die Milliarden, die der Fußball generiert, so schamlos ungerecht verteilt, dass die einen nicht mehr wissen, wohin damit, andere dagegen Tag für Tag ums nackte Überleben kämpfen.
Fast 25 Jahre lang haben wir an dieser Stelle auf Missstände hingewiesen, Kritik an Auswüchsen geübt, den ausufernden Kommerz gegeißelt, an die Politik appelliert, dem Sport, vor allem dem Breiten-, Kinder- und Jugendsport wieder die Bedeutung und Unterstützung zu geben, die er verdient. Es ist, das beweisen Infantino und Co., so viel Geld mit dem Sport zu akquirieren, wo aber landet es? Nicht dort, wo es dringend benötigt würde, nicht dort, wo der Sport noch so ist, wie er sein sollte. Geprägt von Ehrenamtlern, die noch Werte vermitteln, die Kindern zeigen, wie schön es ist, sich zu bewegen, integriert zu sein in eine Mannschaft, unter Freunden. Geprägt von Menschen, die nicht nur ihre Freizeit opfern, auch eigenes Geld. Und so dem Staat Milliarden sparen.
Die fetten Schlagzeilen aber gehören anderen, jenen, die sich die Taschen vollstopfen und so manches auf der Strecke gelassen haben, was ihnen einst vermittelt wurde. Dabei findet man den echten, den eigentlichen Sport ganz woanders. Es gibt sie noch, die Idealisten, die sich aus Liebe zum Sport engagieren, die nicht die Aussicht auf Millionen treibt, sondern Freude, Spaß, Ehrgeiz und das schöne Gefühl, etwas geleistet zu haben. Ihnen wollten wir hier eine Bühne geben.
Der Autor dieser Kolumne zieht sich nun zurück, stark desillusioniert, frustriert darüber, was die Gier aus dem Sport gemacht hat. Aber in der Hoffnung, wenigstens ein bisschen dazu beigetragen zu haben, dass Menschen nicht nur die Auswüchse sehen, sondern das, was den Sport eigentlich ausmacht. Und das ist viel, sehr viel.
Über die Gier und die Auswüchse des Sports