Wolfsburg – Jovana Damnjanovic schob sich eine Decke über den Kopf, vermutlich um die Tränen der Enttäuschung zu verbergen. Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer hatte das Spitzenspiel der Frauen des FC Bayern beim VfL Wolfsburg gerade abgepfiffen, die Münchnerinnen kassierten am Sonntagnachmittag eine der deutlichsten und bittersten Niederlagen der letzten Jahre. Mit 0:6 musste sich die Mannschaft von Trainer Jens Scheuer geschlagen geben, der VfL setzte sich drei Spieltage vor dem Saisonende mit vier Punkten an der Tabellenspitze der Frauen-Bundesliga ab. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die formstarken Wölfinnen diesen Vorsprung noch mal hergeben.
Für die Bayern-Frauen rückt somit nach dem dramatischen Ausscheiden aus der Champions League am Mittwoch in Paris auch die Verteidigung der Meisterschaft in weite Ferne. „Glückwünsche an den VfL, das war ein absolut verdienter Sieg“, sagte Scheuer: „Wir sind gar nicht so schlecht ins Spiel gekommen, Wolfsburg macht nach einer super Einzelaktion das erste Tor. Wir haben die Chance zum Ausgleich auf dem Kopf. Aber dann haben uns viele individuelle Fehler den Sieg gekostet.“
Tatsächlich schienen die ersten drei Gegentore alle vermeidbar. Vor dem 0:1 hatte Svenja Huth zu viel Platz und Zeit, beim 0:2 bekam die Bayern-Abwehr einen langen Einwurf nicht geklärt, auch Torhüterin Janina Leitzig verpasste. Der dritte Treffer resultierte aus einem zu kurzen Abstoß, den Glodis Viggosdottir für Leitzig ausführte. Der Ball wurde von Lena Oberdorf sofort zurückgespielt, Tabea Waßmuth zielte ganz genau und beendete alle Hoffnungen der Bayern-Frauen.
Zur zweiten Hälfte wechselte Scheuer im Tor, die 18-jährige Cecilia Runnarsdottir ersetzte Leitzig. Die weiteren drei Gegentore konnte sie aber auch nicht verhindern. Dass die am Kreuzband verletzte Stammtorhüterin Laura Benkarth der Mannschaft fehlt, lässt sich nach den letzten Spielen nicht bestreiten. Auch wenn Damnjanovic, Sarah Zadrazil und Karolina Vilhjalmsdottir nach überstandener Corona-Infektion am Sonntag zurückkehrten, fielen insgesamt acht Spielerinnen aus. Zuletzt erwischte es noch Sydney Lohmann, deren Schnelltest positiv war.
Die dramatischen 120 Minuten in Paris, in denen die Bayern-Frauen PSG am Mittwoch am Rande einer Niederlage hatten, dann aber durch einen späten Gegentreffer ausschieden, steckten sicher noch in den Köpfen und Beinen. Diese Umstände relativieren die Niederlage natürlich. Dass die Bayern-Frauen Wolfsburg aber derart unterlegen waren, ist dennoch ebenso überraschend wie bitter. Die Chance zur Revanche bietet sich in knapp zwei Wochen, dann empfangen die Bayern-Frauen Wolfsburg am Ostersonntag zum Halbfinale des DFB-Pokal. „Bis dahin müssen wir die Köpfe wieder hochkriegen, das Spiel analysieren und eine andere Leistung zeigen“, sagte Scheuer.
VfL Wolfsburg: Schult – Wedemeyer, Hendrich, Janssen, Rauch – Popp, Oberdorf (86. Knaak) – Huth (86. Starke), Roord (75. Wilms), Jonsdottir (75. Blomqvist) – Waßmuth (59. Pajor). – FC Bayern: Leitzig (46. Runarsdottir) – Glas, Kumagai, Viggosdottir, Gwinn (46. Beerenstyn) – Zadrazil – Magull (46. Vilhjalmsdottir), Simon (85. Landenberger) – Bühl, Damnjanovic, Schüller (66. Asseyi)- Tore: 0:1 Huth (8.), 0:2 Wedemeyer (33.), 0:3 Waßmuth (39.), 0:4 Popp (77.), 0:5 Oberdorf (82.), 0:6 Pajor (90.)