München – Kurt Kleinendorst war hin und weg. Der Trainer der Iserlohn Roosters sagte zu seinem Münchner Kollegen Don Jackson: „Ich liebe dein Team, Don. Die Art, wie es spielt. Ihr seid groß, stark, schnell.“ Kleinendorst kam erst im Januar nach Iserlohn, er hat nur einen begrenzten Ausschnitt der Saison mitbekommen, nicht gegen alle anderen Teams gleichermaßen oft gespielt, aber er kann den Vergleich zu Wolfsburg (2.) und Mannheim (5.), zwei weiteren Titel-Mitfavoriten, ziehen: „München ist noch auf einem anderen Level.“ Kleinendorst und die Roosters hatten es ja gerade erfahren: Trotz aller Hingabe kassierten sie in München zum Abschluss der Hauptrunde eine 0:5-Niederlage.
Jacksons EHC erlebte das perfekte Wochenende: 6:0 in Düsseldorf am Freitag plus das 5:0, zwei Shut-outs in Folge – und noch der Sprung auf Platz zwei, von dem aus man in die Playoffs (Beginn: Sonntag, 19 Uhr) geht. Vor ein paar Wochen war der EHC Sechster und musste sich um die fixe Qualifikation für das Viertelfinale sorgen.
Jackson blickt zurück auf ein „seltsames Jahr mit Covid – wir mussten viel Geduld aufbringen“. Eine erste Welle im Oktober erwischte ihn und 18 Spieler, im Januar musste das EHC-Personal (mit deutlich weniger Fällen) erneut in Quarantäne. Wenig-stens konnte der Trainer in dieser Zeit taktische Videolektionen erteilen. Es gelang ihm auch, einen weiteren Lernprozess in Gang zu bringen: „Dass wir jeden Gegner ernst nehmen müssen.“ Bis dahin hatte der EHC kaum mehr Tore geschossen als bekommen, dank deutlicher Siege erreichte er mit +56 am Ende sogar die beste Tordifferenz in der Liga.
„Aufregend“ empfand Jackson diesen speziellen Saisonverlauf: „Von Weihnachten bis zur Olympiapause und bis jetzt – das war ein großes Crescendo“, bemüht er ein Bild aus der Welt der Musik. Crescendo bedeutet: lauter werdend, anschwellend. War der Dirigent der im Januar verpflichtete Torhüter Henrik Haukeland? Den aus Schweden geholten 27-jährigen Norweger ließ Jackson weitaus mehr Partien bestreiten als den bisherigen Platzhirschen Danny Aus den Birken (37), und aus den Statements der Feldspieler sprach zuletzt vernehmbar die Zufriedenheit über „ein starkes Goaltending“.
„Über Torhüter reden wir am wenigsten, die wohnen in einem anderen Apartment“, sagt Jackson mit einem Grinsen. Goalies führen eine Art Eigenleben im Team, sie haben einen eigenen Spezialtrainer, werden auch bei Fehlern nicht offen kritisiert. Für Haukeland sprechen alle Werte, und laut Jackson habe auch (der zurückgestufte) Aus den Birken gesagt, der Kollege sei einer, „der alle besser macht“. Jackson: „Henrik ist eine willkommene Ergänzung.“
Der EHC erhebt nun wieder seine sportliche Stimme in der Liga. Don Jackson: „Wir wollen, dass unser Crescendo gerade begonnen hat.“