München – Kleine Anregung für die Fußballsender hierzulande: Warum immer nur das schönste Tor eines Spieltags resp. Monats küren? Warum nicht auch mal die spektakulärste Rettungsaktion? Der Gewinner des Monats April stünde vermutlich schon jetzt fest: Fabian Greilinger vom TSV 1860. Rückblende auf das Saarbrücken-Spiel am Samstag: In der 52. Minute tauchte Sebastian Jacob alleine in der Löwen-Hälfte auf, hatte nur noch Tom Kretzschmar vor sich, umkurvte den Hiller-Vertreter links, bereit, die Kugel einzuschieben. Dann plötzlich: Greilinger kommt im Schweinsgalopp angesprintet, macht gut und gerne 20 Meter Rückstand auf Jacob wett, überholt ihn und spitzelt den Ball formvollendet zur Ecke. Bemerkenswert: Während Greilinger austrudelte, animierte er die Westkurve mit rudernden Armen. Die Reaktion der 1860-Fans: Torschreiartiger Jubel. Und weil der Aushilfs-Linksverteidiger auch sonst ein bärenstarkes Spiel machte, hagelte es Bestnoten in den Montags-Gazetten.
Der sprintende Eingreif-Greilinger – selten war er so wertvoll wie am Samstag. Hätte das Eigengewächs seinen Vertrag nicht bereits zehn Tage vorher verlängert, Sportchef Günther Gorenzel hätte womöglich noch ein paar Scheinchen drauflegen müssen. Als Ausgleich dafür gab’s ein Extralob des Trainers, der zuvor in einem anderen Kontext gesagt hatte, nicht gerne „Arien“ auf einzelne Spieler anzustimmen. Für seinen Mitarbeiter des Tages machte Michael Köllner eine Ausnahme. „Fabi hat seine Situationen mit großem Löwenherz angenommen“, schwärmte er: „Jeder, der heute gegen ihn gespielt hat, hat kein leichtes Leben gehabt – offensiv, vor allem aber auch defensiv.“ Die Saarländer seien dem Duracell-Löwen „oft hinterhergelaufen – ich glaube, das ist das größte Kompliment, das du als Spieler bekommen kannst, wenn du so unterwegs bist.“
Greilinger selbst sprach vor allem über eine andere Szene, deretwegen er ein weiteres Mal in den Mittelpunkt gerückt war. Unfreiwillig und unverschuldet – weil der Ex-Stürmer ein paar Pfund zu leicht war bei Saarbrückens Ausgleich in der Nachspielzeit. Greilinger stand am entfernten Posten, ließ sich von Gouras umstoßen – was den Gästen das 1:1 und Jacob doch noch einen Torerfolg bescherte. „Das ist total ärgerlich“, grantelte der Niederbayer im BR-Interview: „Meiner Meinung nach war es am Schluss ein Foul. Er stützt sich an mir ab, sonst kommt er gar nicht hin. Eigentlich muss der Schiedsrichter pfeifen. Dann nehmen wir die drei Punkte mit.“
Sprintwunder, Wadlbeißer – und plötzlich auch Wortführer, wenn es darum geht, die Kaltschnäuzigkeit eines Spitzenteams einzufordern: „Wir müssen auch mal ein 1:0 nach Hause bringen – das gibt auch drei Punkte.“ Kann man so einen am Sonntag in Freiburg draußen lassen, wenn Phillipp Steinhart, Köllners Konstante links hinten, wieder fit ist? Klar scheint: Greilinger hat seine Idealposition gefunden, nachdem er im Sturm auf Drittliganiveau an seine Grenzen stieß. Sein Auftritt am Samstag war ein Bewerbungsschreiben im Vollsprint. In den Foren gibt es schon jetzt viele Fans, die ihn dauerhaft für Steinhart im Team sehen wollen.