Mountainbike-Märchen in Südafrika

von Redaktion

Ohne Physio und Mechaniker – zwei Freunde gewinnen wichtigstes Rennen der Welt

VON THOMAS JENSEN

München – Georg Egger ist zwar Mountainbike-Profi, doch wenn er über seinen größten Erfolg spricht, verwendet er einen Auto-Vergleich: „Auch ein billiger Wagen fährt von A nach B.“ Damit meint der bayerische Schwabe das Radteam „Speed Company Racing“, das er zusammen mit seinem Freund Lukas Baum Ende 2021 gründete. Beim Cape Epic Rennen in Südafrika, der Tour de France der Mountainbiker, haben sie nicht nur das Ziel erreicht, sondern sensationell gewonnen!

Bestehend aus einem Prolog und sieben Etappen führt der renommierteste Mountainbike-Wettbewerb der Welt durch eine staubige und steinige Buschlandschaft. Rund 700 Kilometer und 17.000 Höhenmeter müssen bewältigt werden. Egger und Baum meisterten die Tortur auf sehr unübliche Weise, denn sie zerrissen während der acht Tage Ende März das Lehrbuch. So kann man zumindest eine Huldigung der Livestream-Kommentatoren wörtlich übersetzen, kurz vor der finalen Zieleinfahrt des deutschen Duos. Besser trifft es Eggers Zusammenfassung: „Die anderen hatten doppelt so viele Betreuer wie Fahrer und wir waren zu dritt: Lukas, sein Papa Michael und ich.“ Während ihre Konkurrenten mit Physiotherapeuten, Mechanikern, Köchen und Managern reisten, schulterten sie alle Aufgaben im Trio. „Nach den Rennen hat Michael die Räder gesäubert, wir haben uns abends um die zum Glück nur kleinen Reparaturen gekümmert. Bei über 30 Grad mittags konnte man sich nur im Schatten aufhalten“, erläutert Egger.

Um den oft grassierenden Magen-Darm-Viren zu entkommen, kapselten sie sich vollständig im eigenen Wohnmobil ab. Die Vorsicht der beiden 27-Jährigen zahlte sich aus. „Nur am zweiten Tag hatte ich mal leichte Beschwerden. Da hatten wir Nudeln gegessen. Daher gab es danach nur noch Reis mit Gemüse abends“, erzählt Egger. Die Kocharbeit wurde geteilt.

Ebenso harmonisch wie in der Küche verlief die Arbeit auf der Strecke. Das Etappenrennen ist ein Paarwettbewerb, es zählt die Zeit des langsameren Fahrers. An allen acht Tagen landete das Duo unter den besten Sieben und meistens auf dem Podest. Vor der letzten Etappe führten Mountainbike-Marathon-Weltmeister Andreas Seewald aus Lenggries und sein tschechischer Partner Martin Stosek. Doch Egger/Baum wandelten 2:45 Minuten Rückstand mit einer furiosen Fahrt in über drei Minuten Vorsprung auf Seewald/Stosek um – erstmals eroberte das Siegerpaar das Gelbe Trikot am letzten Tag.

Initialzündung des historischen Triumphs war ihre lange Freundschaft und der Wunsch, zusammen zu fahren. Der Obergessertshausener Egger und der Pfälzer Baum, aus Neustadt an der Weinstraße, kennen sich seit 14 Jahren, doch Versuche, gemeinsam bei einem Rennstall unter Vertrag zu kommen, scheiterten. Also gründeten sie kurzerhand ihr eigenes Team und kümmerten sie nur noch darum. Egger: „Wenn man 150 Tage unterwegs ist im Jahr, ist es mit einem Freund schöner.“

Schon im Januar gab es erste gute Ergebnisse. Die Teilnahme in Südafrika war eine kurzfristige Entscheidung wegen der starken Form und ursprünglich nicht geplant. „Wir haben gedacht, dass es sich lohnen könnte und wir mal unser Glück probieren“, erinnert sich der Sportsoldat.

Die Zielsetzungen dürften nun größer sein, allerdings nicht nur sportlich, wie Egger ausführt: „Die Aufmerksamkeit hilft uns, denn wir brauchen mehr Budget. Manche Türen bei Sponsoren stehen offen, und jetzt haben wir eine gute Verhandlungsbasis.“ Geplant sei ein kleines Betreuerteam. Doch auch der Lohn müsse sich steigern, sagt er: „Im Vergleich zu den Leuten, die wir geschlagen haben, sind wir ziemlich unterbezahlt und finanzieren uns fast ausschließlich aus Prämien.“ Zumindest in Südafrika machten sie nun Gewinn, gut 18 000 Euro erhielten sie für den Sieg. Schon ein vierter Platz in der Gesamtwertung hätte nicht mehr gereicht, um die Ausgaben von 7 000 Euro zu decken.

Auch wenn die Einnahmen in Zukunft für unterstützende Hände reichen sollten – die Organisation möchten Egger und sein Kompagnon weiter selbst übernehmen: „Wir merken schon, dass es zeitlich mehr wird, aber aktuell sind wir happy.“ Das Selbst-Management macht nicht nur Spaß, sondern auch ihre Teamphilosophie können sie so besser ausleben: „In größeren Strukturen ist das schwer, aber wir können uns die Rennen aussuchen, die uns liegen, und so den maximalen Erfolg rausholen.“

Fest eingeplant sind in diesem Jahr Rennen im Cross-Country, der olympischen Disziplin und somit die Europameisterschaft im August in München. Aber auch die Marathon-Weltmeisterschaft in Dänemark lockt das Duo. „Wir gucken mal, wie es sich entwickelt“, merkt Egger an. Ihre Erfahrungen mit außerplanmäßigen Rennen waren ja nicht so schlecht.

Artikel 3 von 11