Musiala auf den Spuren von Thiago

von Redaktion

Weltklasse-Leistungen auf der Sechser-Position, aber keine Startelf-Garantie für Villarreal

München – Ja, ist denn heut schon Weihnachten? Dieses Zitat erwiderte Bayern-Juwel Jamal Musiala, als Trainer Julian Nagelsmann dem Bayern-Juwel im Dezember mitteilte, dass er ihn in den nächsten Spielen auf der Sechser-Position einsetzen wird. Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt fehlten dem FC Bayern aufgrund von Quarantäne-Anordnungen und Verletzungspech gleich vier zentrale Mittelfeldspieler: Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Marcel Sabitzer und Corentin Tolisso.

Nagelsmann wollte aus der Not eine Tugend machen und hatte eine Vision: Musiala könnte mit seiner fußballerischen Gabe und seinem besonderen Spiel eine ähnliche Rolle im Team einnehmen, wie es einst Thiago vor seinem Wechsel zum FC Liverpool tat. Fortan fuchste sich „Bambi“ in die neue Rolle und entwickelte sich neben Kimmich zum Platzhirsch auf der Doppelsechs. Darüber hinaus stopfte er die Lücke, die Goretzka durch seine mehrmonatige Abwesenheit aufgrund von Patellasehnen-Problemen im Mittelfeld hinterlassen hatte.

In der zurückliegenden Länderspielpause testete Bundestrainer Hansi Flick den 19-jährigen Musiala gegen die Niederlande ebenfalls auf dieser Position – und der Überflieger ließ die Fußballwelt mit einer Weltklasse-Leistung in Amsterdam mit einem Staunen zurück.

Trotz dieser steilen Formkurve blieb dem Youngster beim 4:1-Sieg der Bayern in Freiburg nur ein Platz auf der Bank. Stattdessen feierte Goretzka sein Comeback und erzielte die 1:0-Führung. „Das ist rein belastungsmäßig. Er hat für uns die letzten Spiele alle sehr intensiv gemacht. Er hat bei der Nationalmannschaft alle Spiele gemacht“, begründete Nagelsmann die Entscheidung. Er benötige ihn am Mittwoch in der Champions League bei Villareal „bei 100 Prozent Frische“.

Ein Startelf-Versprechen für das Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse bedeutet diese Aussage jedoch nicht, wie der Münchner Trainer auf Nachfrage erklärte: „Eine Einsatzgarantie für Villareal bekommt er nicht.“ Muss Musiala also wieder auf die Bank? Man müsse laut Nagelsmann schauen. Die Grundidee sei jetzt nicht, Goretzka nach vier Monaten Pause alle drei Tage reinzujagen. Gleiches gelte Musiala, der keine acht, neun Spiele am Stück machen könne: „Deswegen bin ich froh, dass wir die Alternativen haben und etwas switchen können.“

Dass Musiala in den vergangenen Wochen einen enormen Entwicklungsschritt gemacht hat und mittlerweile eine Weltklasse-Alternative auf der Sechs ist, hatte er auch nach seiner Einwechslung in Freiburg bewiesen: „Nach seiner Einwechslung war er unglaublich aggressiv auf der Sechs, hat viele Bälle geklaut. Wenn man ihn so sieht, würde man es ihm nicht zutrauen. Er ist sehr clever, hat ein sehr gutes Körpergefühl. Er kann auf der Position sehr gut spielen.“

Darum gab es auch bereits während des Spiels mehrmals Sonderlob vom Spielfeldrand für den Nationalspieler. Trotzdem sieht ihn der Bayern-Trainer „zwischen den Linien offensiv noch stärker“. Musiala ist es persönlich egal, ob er künftig weiter auf der Sechs oder weiter vorne eingesetzt ist. Für ihn ist es einfach wichtig, weiterhin im Rhythmus zu bleiben. Oder um es mit den Worten des Youngsters nach seinem Gala-Auftritt gegen Holland zu formulieren: „Ich will einfach nur Fußball spielen.“ Sollte Nagelsmann gegen Villareal erneut auf die Doppelsechs Kimmich/Goretzka setzen, muss er ernsthaft überlegen, Musiala auf einer anderen Position starten zu lassen. MANUEL BONKE

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