Vorige Saison lud die Deutsche Eishockey Liga (DEL) die Medien regelmäßig zu Videokonferenzen, Geschäftsführer Gernot Tripcke hielt virtuell jeden Monat einmal Hof. Unter den Umständen von Corona, verspätetem Start (um die Weihnachtszeit) und Geisterspiel-Tristesse lief es ja ganz gut; die Teams testeten in dichtem Rhythmus und kamen ohne nennenswerte Infektionswellen durch den Winter, der DEL wurde zudem Bewunderung zuteil, weil die Spieler mit schmerzhaften Gehaltsverzichten den Spielbetrieb ermöglicht hatten.
Die Hauptrunde 2021/22 konnte jedoch nicht anschließen an die gute Performance von 20/21 – die DEL ist stärker ins Trudeln geraten als vergleichbare Profiligen in Deutschland. In einem Punkt konnte die DEL nicht gegensteuern, da war sie schlicht machtlos: Die Pandemie schlug mit neuen, ansteckenderen Varianten durch, die den Impfschutz in unvorhergesehenem Maße aushebelten. Eishockey mit seinem kalten Ambiente, das trockene Schleimhäute schafft, den langen Busfahrten und den fensterlosen Kabinen kommt einem via Atemwegen übertragenen Virus besonders entgegen.
Es war fürsorglich und richtig, dass die DEL den Punktequotienten als maßgeblich für die Platzierung in ihre Statuten schieb, denn sie musste davon ausgehen, dass nicht jedes Team sein vorgesehenes Programm würde erfüllen können. Und so kam es auch: Die Abschlusstabelle ist schief, mit bis zu vier Spielen Unterschied. Mit strafferer Führung wäre dieses Bild jedoch zu vermeiden gewesen. Vor allem, als es losging mit den Infektionen, ließ die Liga viele Verlegungen zu, obwohl von Corona betroffene Mannschaften die Mindeststärke gehabt hätten, um anzutreten. Später, als die Termine knapp wurden, schränkte man diese Großzügigkeit ein, das schaffte Ungerechtigkeiten zwischen Teams – je nachdem, wann es sie erwischte. Ein Unding auch, dass Partien zwischen gesunden Mannschaften verschoben wurden, weil man hoffte, in ein, zwei Monaten würden mehr Zuschauer zugelassen sein. Vereine sind mit Billigung der Liga Wetten eingegangen – die wenigsten wurden gewonnen. Und trotz der prekären finanziellen Lage wurden gegen Transferschluss wieder durch die Bank die berühmten dritten Torhüter und zehnte und elfte Kontingentspieler verpflichtet. Dafür war Geld da.
Am Ende der Hauptrunde ergibt sich ein Bild, das die sportlichen Kräfteverhältnisse schon angemessen widerspiegelt, auch der Abstieg von Krefeld kommt nicht aus dem Nichts. Trotzdem trifft Krefeld mit seinem Verweis auf Unebenheiten, die eine Klage auf Verbleib in der DEL begründen sollen, einen wunden Punkt dieser Saison. Und darum war die DEL auch so still.
Guenter.Klein@ovb.net