München – Das Foto, das ihn in seinem größten Moment als Eishockeyspieler zeigt, hat Yannic Seidenberg großformatig in seinem Haus an der Wand hängen: Er mitten in einer sich ans Plexiglas drückenden Jubeltraube nach dem gewonnenen Olympia-Halbfinale 2018 gegen Kanada in Pyeongchang. Seidenberg ist einer der Silber-Helden von damals – nun aber schließt er mit dem Nationalteam ab. „Nach über 16 Jahren ist es Zeit, den jüngeren Spielern Platz zu machen“, erklärt er. „Seids“ ist 38, letztmals trat er beim Deutschland Cup 2020 vor leeren Rängen in Krefeld für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) an. Für Olympia in Peking gehörte er lediglich der Longlist von Bundestrainer Toni Söderholm an. Das Debakel in China blieb ihm erspart.
Die meisten seiner 173 Länderspiele und neun von zehn Weltmeisterschaften hat Yannic Seidenberg als Stürmer bestritten, erst in reiferen Jahren wechselte er auf die Verteidigerposition – und näherte sich seinem größten Vorbild: dem älteren Bruder Dennis, der NHL-Karriere machte und den Stanley Cup gewann. Bei Dennis in den USA verbringt Yannic normal auch den Sommer – um sich mit gezieltem Athletiktraining auf die nächste Saison vorzubereiten.
Eine nächste Saison wird es auch nach dem Rücktritt aus der Nationalmannschaft geben. Aufhören sei kein Thema, versichert Seidenberg, er wolle den sportlichen Fokus nun auf den EHC München legen. Für 2022/23 steht er dort bereits unter Vertrag, wie Manager Christian Winkler bestätigte. gük