München – Kathleen Krüger wartete am Samstag nach Abpfiff in den Katakomben des Freiburger Europa-Park-Stadions vor der Kabine des Schiedsrichtergespanns. Die Teammanagerin des FC Bayern, die bei der Auswechslung von Kingsley Coman die falsche Trikot-Nummer anzeigen ließ, hatte Redebedarf mit den Unparteiischen. Gut möglich, dass Inhalte dieser Unterhaltung entscheidend werden können, wenn der Einspruch des SC Freiburg vor dem DFB-Sportgericht verhandelt wird.
Die einhellige Meinung renommierter Schiedsrichter- und Sportrechtsexperten ist klar: Der Protest der Breisgauer darüber, dass die Bayern kurz vor Spielende für 16 Sekunden zwölf Spieler auf dem Platz hatten, wird mit großer Wahrscheinlichkeit abgelehnt, weil das Schiedsrichtergespann und nicht die Münchner Teammanagerin für den reibungslosen Ablauf des Spielbetriebs verantwortlich sind.
Dementsprechend entspannt geben sich die Münchner Verantwortlichen. „Wir sind nicht überrascht, dass der SC Freiburg Einspruch eingelegt hat. Die Angelegenheit liegt nun in den Händen der Sportgerichtsbarkeit, der wir voll vertrauen“, teilte Vorstandschef Oliver Kahn mit. Michael Gerlinger ergänzte in seiner Rolle als Vizepräsident Sports Business und Competition: „Wir sind überzeugt, dass das DFB-Sportgericht nach den anwendbaren Regelungen nur zu einer Entscheidung kommen kann: Die Wertung unseres 4:1-Sieges bleibt erhalten.“ Trainer Julian Nagelsmann kritisierte das Freiburger Vorgehen: „Ich persönlich hätte das nicht gemacht, weil ich finde, dass du den Fehler eines Dritten ausnutzt, um selber vielleicht zu Punkten zu kommen, weil der Druck der Fans oder Sponsoren so groß wird.“
Mittlerweile liegt dem DFB auch die juristische Begründung der Freiburger vor. Zunächst wird das Gremium die Stellungnahmen aller Verfahrensbeteiligten einholen. Dann muss beschlossen werden, ob es ein rein schriftliches Verfahren wird oder es zu einer mündlichen Verhandlung kommt.
Wie lange dieser Vorgang dauert, ist offen. In der Vergangenheit hat das Gericht bei umstrittenen Themen im Sinne der Transparenz zu einer mündlichen Verhandlung tendiert. Auch das Ergebnis ist offen, da es ein Präzedenzfall ist. Von einer Ablehnung des Einspruchs über ein Wiederholungsspiel bis zu einer Wertung für die Freiburger ist jeder Richterspruch denkbar. Der mächtige Mann in diesem Verfahren ist Sportgerichts-Vorsitzender Stephan Oberholz. Der Leipziger hat das Amt von seinem Vorgänger Hans E. Lorenz übernommen.
Aufgrund des laufenden Verfahrens werde man sich von Freiburger Seite auch vorerst nicht weiter äußern und es bei der Stellungnahme vom Montag belassen. „Wir befinden uns in einem unverschuldeten Dilemma. Der SC Freiburg hatte keinen Anteil und Einfluss auf die Geschehnisse rund um den Wechselvorgang“, hieß es dort. Trotzdem sahen sich die Verantwortlichen des Bundesliga-Fünften, der um den Einzug in die Champions League und Einnahmen in Millionen-Höhe kämpft, zum Handeln genötigt. Darum würden sie drei Punkte am grünen Tisch wohl gerne mitnehmen.