Augusta/Frankfurt – Tiger Woods lächelte kurz, dann ließ er die Katze aus dem Sack. „Stand jetzt werde ich spielen“, sagte der Superstar und beantwortete die Frage, die seit Tagen die gesamte Golfwelt elektrisiert hatte. Ja, Woods gibt bei der 86. Ausgabe des US Masters tatsächlich sein kaum für möglich gehaltenes Sensations-Comeback.
Und nicht nur das. Ob er das Turnier sogar gewinnen könne, wurde Woods bei seiner Pressekonferenz an der Magnolia Lane gefragt. „Das kann ich“, sagte der 46-Jährige vor seinem ersten Auftritt bei einem offiziellen Turnier seit seinem folgenschweren Autounfall im Februar des vergangenen Jahres.
„Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich jetzt hier sitzen werde. Ich habe drei Monate lang nicht das Bett verlassen“, sagte der fünfmalige Masters-Champion. Vor dem ersten Abschlag am Donnerstag will er den letzten freien Tag noch einmal für eine Trainingsrunde nutzen.
Nach dem Unfall bangte Woods im Vorjahr noch um sein rechtes Bein. 13 Monate später will er in seinem „Wohnzimmer“ wieder beim prestigeträchtigsten Golfturnier der Welt abschlagen. An der altehrwürdigen Magnolia Lane herrscht 25 Jahre nach Woods’ erstem Triumph längst wieder „Tiger-Mania“.
Schon auf seiner Trainingsrunde am Montag wurde Woods von Tausenden begeisterten Menschen gefeiert. Als der 15-malige Majorsieger das Klubhaus verließ, habe es dort „Szenen und eine Atmosphäre“ gegeben, „wie man sie nie zuvor gesehen hat“, schrieb der Masters-Sieger Sir Nick Faldo bei Twitter.
Neun Löcher spielte Woods – und löste damit Begeisterung aus. Jeder Schritt, jeder Schwung wird verfolgt. Der Auftritt sei „phänomenal“ und „sehr beeindruckend“ gewesen, sagte Fred Couples, der am Montag gemeinsam mit Woods auf dem Platz unterwegs war. „Er sah aus wie der Tiger, den wir vor dem Unfall gesehen haben“, sagte Billy Horschel.
Die Frage ist allerdings: Hält Woods’ rechtes Bein der Belastung beim ersten Major des Jahres stand? Mehrmals hatte er sich mit dem Auto im Februar 2021 überschlagen, die Folgen der komplizierten Beinbrüche spürt er noch immer – und der Par-72-Kurs im Bundesstaat Georgia gehört zu den hügeligsten auf der Tour.
Es wird keineswegs die erste wundersame Rückkehr in einer bewegten Karriere. Immer wieder bröckelte das Denkmal des Ausnahmekönners – private Fehltritte, Affären mit Frauen, dazu ständig Rückenprobleme. Und dennoch triumphierte Woods 2019 sensatinell erneut in Augusta. Das Masters im November 2020 war sein bislang letztes offizielles Turnier. Nun kehrt er zurück. sid