München – Ist die Rede von der goldenen spanischen Ära, fallen stets die Namen von Xavi oder Andrés Iniesta. Gerne vergessen wird Marcos Senna, der den beiden Edeltechnikern beim EM-Sieg 2008 im Mittelfeld den Rücken freihielt. Jener Senna, der in Brasilien auf die Welt kam und hernach die spanische Staatsbürgerschaft annahm, war auch das Herzstück von Villarreal, das er 2008 zur Vizemeisterschaft und 2006 ins Halbfinale der Königsklasse führte. Unsere Zeitung hat mit dem 45-jährige Senna vor dem heutigen Duell gesprochen.
Señor Senna, haben Sie den 14. September 2011 noch vor Augen?
Helfen Sie mir auf die Sprünge!
Damals fand das erste von bislang zwei Duellen zwischen Bayern und Villarreal statt, das Hinspiel in der Gruppenphase in Spanien endete 2:0 für die Münchner. Sie standen in der Startelf.
Richtig. Ich erinnere mich an genau zwei Dinge. Zum einen an die irre Überlegenheit der Bayern, zum anderen an einen jungen Blondschopf im Mittelfeld, der mich ziemlich beeindruckt hat. Er stand immer richtig, alle seine Pässe kamen an. Jetzt im Nachhinein ist das kein Wunder, war ja schließlich Toni Kroos.
Läuft es am Mittwoch besser für Villarreal?
Der aktuelle Kader ist besser als damals, wir sind schließlich am Ende jener Saison abgestiegen. Ich fürchte allerdings, das trifft auch auf den der Bayern zu. (lacht) Wir sind uns alle bewusst, dass da ein echter Brocken auf uns zukommt. Wenn wir noch einigermaßen lebendig nach München reisen wollen, müssen wir insbesondere in der Abwehr das perfekte Spiel machen. Sonst schenkt dir eine Mannschaft wie Bayern mal eben drei Tore in fünf Minuten ein.
Ist es vielleicht von Vorteil, dass das Hinspiel bei Villarreal stattfindet?
Das sieht jeder anders. Fakt ist, dass es uns im Achtelfinale gegen Juve geholfen hat. Wenn nach den 90 Minuten am Mittwoch noch alles offen ist, steht auch eine Mannschaft wie Bayern im Rückspiel unter Druck. Das kann uns in die Karten spielen. Das erste Etappenziel ist daher, am Mittwoch nicht dramatisch unter die Räder zu kommen.
Worauf kommt es an?
Bayern ist uns in physischer Hinsicht überlegen, das ist Fakt. Wir definieren uns über Ballbesitz. Gehört das Leder uns, haben wir eine Chance.
Die Generalprobe in der Liga bei Levante (0:2) ging mächtig schief.
In der Tat, wir alle rätseln über die zwei Gesichter Villarreals in Liga und Europa. Aber es kann auch ein Schuss vor den Bug zur richtigen Zeit gewesen sein. Sowohl die Spieler als auch Trainer Emery wissen, dass europäisches Flutlicht Ihnen guttut. Und dass Bayern der perfekte Gegner sein kann, um sich wieder heraufzuziehen.
Zumal Emery in Europa kein Spiel verloren hat.
Weil er der detailversessenste Trainer ist, den ich kenne. Er hat immer einen Plan. Und gegen Bayern wird das nicht anders sein.
Welche Spieler stehen besonders im Fokus?
Hinten werden Albiol und Pau Torres zusehen müssen, dass sie Lewandowski nicht an die lange Leine lassen. Und vorne auf den Riecher von Gerard Moreno. Der scheint nämlich wieder einigermaßen intakt. Aber soll ich Ihnen mal etwas sagen?
Bitte!
Villarreal ist eine Stadt mit 50 000 Einwohnern, womit die Hälfte in unserem Stadion Platz hätte. Dass die jahrelange Arbeit sowohl im Nachwuchs als auch auf Profiebene dazu geführt haben, dass wir mittlerweile quasi jährlich um die europäischen Plätze mitspielen und gegen Mannschaften wie Bayern antreten, ist an sich schon ein Erfolg. Jetzt wollen wir natürlich mehr. Und ich bin überzeugt davon, dass es die Jungs besser machen können – und werden – als wir 2011.
Jose Carlos Menzel Lopez