Istanbul – Für die Explosion der Gefühle war noch keine Zeit nach dem Coup vom vergangenen Freitag. Der Kalender ist zu prall gefüllt für Marko Pesic und seine Bayern-Basketballer. Seit die Münchner gegen Roter Stern Belgrad zum zweiten Mal in Folge ihren Platz in den Euroleague-Playoffs buchten, mussten sie bereits drei weitere Male ran. Gestern Abend unterlagen sie bei Efes Istanbul knapp mit 76:81.
Aber es ist fast nebensächlich, was das letzte Spiel der Euroleague-Hauptrunde noch mit sich bringt. Durch die Niederlage gestern sind die Bayern auf Platz acht ins Ziel kommen. Im Viertelfinale (best of 5) bekommt man es ab 19. April mit Hauptrunden-Champion FC Barcelona zu tun. Wobei sich Pesic mit dem Urteil schwer tut, ob das nun schlecht ist, oder doch gut. Die Saison mit Corona, Verletzungen und dem Rauswurf der russischen Clubs hinterließ tiefe Spuren. „Ich bin jetzt elf Jahre hier“, sagte Pesic dem Podcast von Magentasport, aber „so schwer war noch keine Saison.“
Es ist das Kuriosum, dass man auch kurz vor dem Start der heißen Saisonphase nichts vollends beurteilen kann, wozu dieser Kader tatsächlich in der Lage ist. Im Februar blitzte das Potenzial für Höheres für einige Wochen auf, ehe Corona den Aufschwung beendete. Nicht zu vergessen das eindrucksvolle 82:57 über Roter Stern Belgrad, für Pesic „das beste Spiel der ganzen Saison.“
Weshalb der Bayern-Chef den Playoffs aber doch mit einiger Zuversicht entgegensieht. „Diese Spiele wie gegen Belgrad haben mir gezeigt, dass wir eigentlich das Zeug haben, gegen jeden Gegner zu bestehen.“
Zwar ließ Pesic durchblicken, dass von den Topteams der Hauptrunde vielleicht doch am liebsten gegen Real Madrid gespielt hätte. Klar, die Königlichen, am Freitag auch der letzte Hauptrundengegner des FC Bayern, befinden sich derzeit im Formtief und verloren von den letzten sechs Partien im nationalen und internationalen Wettbewerb deren fünf.
Aber auch der FC Barcelona, für viele nach der knappen Finalniederlage im Vorjahr der Topfavorit auf Europas Krone, verbreitet nicht unbedingt Angst und Schrecken. Beim letzten Aufeinandertreffen Anfang Februar führte das Team von Trainer Andrea Trinchieri über weite Strecken des Spiels im Palau Blaugrana und ließen sich vom katalanischen Starensemble um Ex-NBA-Profi Nikola Mirotic am Ende doch mit 71:66 überrumpeln. „Eigentlich war das ein Sieg“, murrte auch Pesic. Die Chance, es besser zu machen, wird nicht lange auf sich warten lassen. PATRICK REICHELT