München – Auf eine Sache kann sich Triathletin Anabel Knoll mit Sicherheit freuen: Sie muss sich am Samstag in München nicht mit Meerwasser und Wellen herumschlagen. Die hatten ihr zum Saisonauftakt am 26. März Zwerchfell- und Magenbeschwerden beschert, weswegen sie beim Europacup im portugiesischen Quarteira nur auf einem enttäuschenden 19. Platz landete. Abgesehen von den ruhigeren Bedingungen in der Olympiaschwimmhalle weiß sie allerdings noch nicht genau, was auf sie zukommt: Denn der Wettbewerb wird auch auf dem Laufband und dem Rollentrainer absolviert.
Die Arena Games sind ein Renn-Format der Triathlon Super League, das 2020 erstmals ausgetragen wurde. Vier Kilometer Fahrrad, ein Kilometer Laufen und 200 Meter Schwimmen sind die Strecken, die es in mehreren Runden zu bewältigen gilt. „Die kürzeren Distanzen liegen mir im Moment sowieso noch besser“, freut sich die 25-jährige Knoll.
Vergangenes Jahr hat sich die Ingolstädterin überraschend für die Olympia in Tokio qualifiziert und belegte dort den 31. Platz und zudem den 6. in der Mixed-Staffel. In dieser Saison möchte sie „an die Ergebnisse aus dem letzten Jahr anknüpfen und sich weiter im internationalen Zirkus etablieren.“ Der Wettbewerb am Samstag bietet dafür eine passende Manege, denn es haben sich einige Größen angekündigt. Etwa der Brite Alex Yee, der die Super League im vergangenen Jahr gewann und zudem Silber und Gold von Olympia nach Hause brachte oder seine Landsfrau Jessica Learmonth, die schon einen Arena-Games-Wettbewerb gewann und in der Weltrangliste auf Platz zehn steht.
Im Gegensatz zur Britin haben die meisten Starter noch keine Erfahrungen in diesen Wettbewerben. „Noch habe ich gar keine Vorstellungen, wie es ohne Windschatten wird – taktisch bestimmt ganz anders“, vermutet Knoll und sieht das allerdings nicht als Nachteil, da es vielen anderen genauso ginge. Doch selbst wenn sie sich keine Taktikfinessen von ihren Konkurrentinnen abschauen kann, im Auge behalten will Knoll sie trotzdem: „Wenn jemand einen Antritt startet, ist es wichtig, dass mitzubekommen, weil es ja erst etwas verspätet im Computer ankommt.“
Die Athleten und Athletinnen sporteln auf ihren Geräten – das Schwimmbecken ausgenommen – nebeneinander. Verfolgen können Zuschauer den Wettkampf vor Ort und auch von daheim. Vorstellbar ist, dass da sogar mehr Stimmung im Sinne eines klassischen Rennens aufkommt, denn das ist die eigentliche Besonderheit der Arena Games: Sie sind ein E-Sport-Event. Die Übertragung im Internet liefert ein animiertes Rennen im herkömmlichen Stil, begleitet von Live-Werten und -Statistiken. THOMAS JENSEN