Der wankende (Schein-)Riese ist tatsächlich gefallen. Rainer Koch bietet den Rückzug aus dem UEFA-Exekutivkomitee an und verzichtet auf eine neuerliche Kandidatur als Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands. Der 63-Jährige möchte in seinen alten Beruf als Jurist zurückkehren. Ein längst überfälliger Schritt – für Rainer Koch und den deutschen Fußball.
Die Watschn vom DFB-Bundestag waren selbst für den mächtigen Strippenzieher zu schmerzhaft. Dort unterlag er – zur Überraschung vieler – der Sportwissenschaftlerin Silke Sinning mit 68 zu 163 Stimmen. In seiner Bewerbungsrede machte Koch Sinning schlecht, forderte das Plenum auf, nur dann zu wählen, wenn man für ihn sei. Das, so beschreiben es viele Begleiter, war immer das Motto von Koch: Wer nicht für ihn ist, wird Konsequenzen spüren.
Auch bei der DFB-Wahl unterschätzte Koch die Folgen seines ramponierten Rufs. Über ein Jahrzehnt schien es so, als häufe er mit jeder Krise im deutschen Fußball mehr Macht an. Doch in den letzten Jahren wurde das sorgfältig gewobene Beziehungsnetz des Rainer Koch immer durchlässiger. Vor dem DFB-Bundestag hatten die Ex-Präsidenten Fritz Keller, Reinhard Grindel und Theo Zwanziger das Aus von „Spaltpilz“ Koch gefordert: „Sein System ist das des Beschwörens von falschen Feindbildern, des Druckausübens“, sagte Keller. Koch ist sicherlich nicht im Alleingang schuld an dem katastrophalen Bild, das der DFB über Jahrzehnte abgegeben hat. Doch Koch, der so geschickt die Satzungswerke des DFB für sich nutzte, stand stets im Zentrum der Intrigen und Machtspiele. Und wurde somit zum Symbol eines faulenden Systems.
Dass sich der Jurist nun endgültig zurückzieht und nicht doch im Hintergrund zu einem letzten Gegenschlag ausholt, gibt dem deutschen Fußball Luft zum Atmen. Und Raum für einen tatsächlichen Neuanfang. Unter den Umständen sei es für den BFV besser, sagt Koch, „wenn ich nach 18 Jahren nicht – wie eigentlich seit Langem geplant – noch ein letztes Mal kandidiere.“ Und hat damit recht.
Der Herr der Amateure verlor auch in Bayern immer mehr an Rückhalt. Dass Koch sich nicht verzweifelt an den letzten Strohhalm klammert, um im Rampenlicht zu bleiben, spricht für ihn. Und der Bayerische Fußball Verband kann ohne Kommandeur Koch den Fokus endlich wieder auf das Wesentliche lenken: den Sport.
nico-marius.schmitz@ovb.net