München – Zum Beispiel diese Szene. Es war nach dem Champions League-Finale 2013. Herbert Harbich lehnte als Zuschauer bei einem Jugendspiel gemütlich am Zaun, als man ihm plötzlich von hinten auf die Schulter tippte. „Hallo, Herr Harbich“, schallte es ihm entgegen. Und da standen sie nun, die stolzen Champions League-Sieger: Lahm, Schweinsteiger, Müller und Alaba. „Das“, sagte Harbich, „sind die Momente, in denen du spürst: Es hat sich gelohnt. Das ist mehr wert als 1000 Euro.“
Harbich, kurz vor Ostern im Alter von 80 Jahren gestorben, war 35 Jahre lang Betreuer der A-Junioren beim FC Bayern, ehrenamtlich. Er hat Sterne aufgehen und Talente verschwinden sehen, hat junge Karrieren begleitet in den großen, den Profifußball. Und hat Jungs getröstet, deren Hoffnungen wie Sand im Wind einfach zerstoben. Harbich hat Buch geführt, alle Namen notiert und deren weitere Karriere verfolgt.
Wo Harbich auch hinkam, überall traf er frühere Schützlinge. „An die allermeisten habe ich gute Erinnerungen. Das waren anständige Burschen.“ Und gerade die, „die am anständigsten waren“, haben dann auch einen guten Weg genommen. Harbich zählte auf: Manni Schwabl, Christian Nerlinger, Markus Babbel, Max Eberl, Didi Hamann, Thomas Hitzlsperger, später dann Schweinsteiger, Lahm, Müller und Alaba. Harbich hätte noch viele nennen können.
Von Reinhard Saftig über Hermann Gerland, Gerd Müller, Björn Andersson bis Heiko Vogel, mit zwölf Trainern hat Herbert Harbich zusammengearbeitet, am längsten und prägendsten waren die zwölf Jahre mit Kurt Niedermayer. Dreimal sind die Bayern in dieser Ära Meister geworden, es war die erfolgreichste Zeit der A-Junioren. Besonders gerne erinnerte sich Harbich an die Meisterfeier 2002, als Philipp Lahm nachts um zwei zu ihm kam, ihn umarmte, sich ausdrücklich bei ihm bedankte.
Keine Sekunde der 35 Jahre bereute er, auch wenn er auf vieles verzichten musste. Harbich opferte jede freie Minute dem FC Bayern. Mit der U19 hat er die halbe Welt bereist, seine Wohnung im Münchner Fasangarten war voll von Erinnerungen, Meisterwimpeln, Mannschaftsfotos, Widmungen und Dankschreiben.
Mit großem Stolz blickte er schließlich auf seine Zeit beim FC Bayern zurück. Im Sommer 2014, als fünf „seiner Jungs“ in Brasilien Weltmeister wurden, sind auch bei ihm ein paar Tränen geflossen, Tränen der Freude. Ein bisschen vom Glanz hätte auch er verdient gehabt. Das aber hätte er gar nicht gewollt, dafür war Herbert Harbich viel zu bescheiden.
REINHARD HÜBNER