Hamburg/London – „Der Champ ist hier“, brüllte Tyson Fury und hielt stolz seinen WM-Gürtel hoch. Aber das war es dann auch schon mit dem großen Macho-Gehabe vor seinem womöglich letzten Kampf. Box-Rüpel Fury begab sich vor dem britischen Duell um die WBC-Krone im Wembley-Stadion vor 94 000 Fans gegen seinen Herausforderer Dillian Whyte stattdessen auf einen ungewohnten Kuschelkurs.
Natürlich geht der ungeschlagene Champion (31 Siege in 32 Profikämpfen) als klarer Favorit in den Fight (Samstag, ab 22 Uhr/Bild TV) gegen Whyte (28 von 30). Doch darüber könne er nur „lachen“, sagte Fury.
Was Whyte will, ist klar: Den König stürzen. Der 34 Jahre alte Pflichtherausforderer wartet seit Jahren auf seine Chance. Geboren wurde er auf Jamaika, aufgewachsen aber ist er in der Nähe des Wembley-Stadions, in der Jugend wurde er in die Londoner Gang-Kriminalität hineingezogen, wurde angeschossen und niedergestochen, im Alter von 13 Jahren zeugte er das erste seiner drei Kinder. „Ich bin bereit, alles zu tun, was nötig ist“, sagte Whyte: „Ich bin diese Art von Kämpfer, der alles tut, was er tun muss. Ich habe keine Angst, Risiken einzugehen – ich bin mein ganzes Leben lang Risiken eingegangen.“ Der Fury-Fight ist seine Chance.
Für den amtierenden Champions ist es angeblich die letzte Chance. Fury beharrt darauf, dass er nach dem Duell in Ruhestand geht. Aber ob man ihm das glauben soll? sid