Wolfsburg/München – Der EHC München ist im Playoff-Modus angekommen. Verlief das Viertelfinale gegen die Düsseldorfer EG noch etwas schleppend, so ist das Team von Trainer Don Jackson im Halbfinale auf dem Weg zu einem „sweep“. Dem 5:1-Einstandssieg vom Mittwoch ließ der EHC bei den Wolfsburg Grizzlys am Freitagabend einen 3:2 (1:2, 2:0, 0:0)-Sieg folgen. In der Best-of-Five-Serie führt er somit 2:0 und kann am Sonntag (14 Uhr) in eigener Halle den Einzug in die Finals perfekt machen. Zuletzt standen die Münchner 2019 in den Endspielen der Deutschen Eishockey Liga (DEL).
Für die Grizzlys hatten sich die Aussichten zwischen erster und zweiter Partie verdüstert. Neben den bereits am Mittwoch verletzt ausgefallenen Sebastian Furchner, Armin Wurm und Trevor Mingoia musste auch noch Nationalverteidiger Dominik Bittner passen. Und am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht hatte die Wolfsburger auch das Urteil der DEL-Disziplinarkammer in Sachen Dave Archibald erreicht: Für seinen Check gegen den Kopf des Münchners Austin Ortega wurde er mit zwei Spielen Sperre (plus einer Geldstrafe belegt). Der Kader der Grizzlys schrumpfte zusammen. Auf vier Sturmreihen kamen sie noch, mussten sich aber mit fünf Verteidigern bescheiden. Ein Handicap, wenn der Plan darin besteht, „dass München nicht in unserem Drittel herumläuft“, so Trainer Mike Stewart.
Trotz der personellen Handicaps gingen die Niedersachsen entschlossen in ihre womöglich letzte Heimpartie der Saison. Und worum sie in München mehr als zwei Drittel gerungen hatten, das gelang ihnen schon in der 7. Minute. Und in der 8. gleich noch einmal: Die Grizzlys schossen Tore. Das 1:0 entsprang einem Doppelpass von Toto Rech und Chris DeSousa, den quirligen Scheibenkünstlern, das 2:0 legte Phil Hungerecker nach. Bei einem Konter trickste er EHC-Abwehrmann Szuber aus – und Torhüter Haukeland sah etwas überrascht aus, als der Puck hinter ihm einschlug.
Doch der EHC hatte das Selbstvertrauen, ins Spiel zu finden – nur etwas später. Zudem justierte Trainer Don Jackson in der ersten Drittelpause das Forechecking, wie Stürmer Maxi Kastner erzählte. Austin Ortega hatte in der 16. Minute eine erste Wolfsburger Unachtsamkeit genutzt (1:2), danach drängten die Münchner auf den Ausgleich. Er gelang ihnen in der 25. Minute, als der Wolfsburger Maillet ausrutschte (kommt sogar mit Schlittschuhen vor) und Ben Smith den Konter zum 2:2 abschließen konnte. Maxi Kastner legte das dritte EHC-Tor nach, er fälschte einen Schuss von Abeltshauser entscheidend ab. „Wir üben das vor dem Spiel und im Training – ich bin mit Kony da gut abgesprochen.“
Über zweieinhalb Minuten versuchte sich Wolfsburg ohne Torhüter am 3:3, ließ Schüsse ab ohne Ende – der EHC hielt der Schlussoffensive stand. Tiefes Durchschnaufen. Henrik Haukeland: „Wir geraten nie in Panik.“ Die Grizzlys bleiben trotzig. Fabio Pfohl, Angreifer: „Wir fliegen nicht umsonst nach München. Wir glauben an uns, das zählt.“