Im Tifosi-Tollhaus

von Redaktion

In Imola steht auch Mick Schumacher im „weißen Ferrari“ unter besonderer Beobachtung

VON RALF BACH

Imola – Imola ist: Emotion, Grande Casino und Tifosi, die wegen ihrer Liebe Ferrari ihre Autos überall parken und denen es egal ist, dass sie abgeschleppt werden könnten. Fest steht: Es ist eine Lotterie, bei der man sehr große Gewinnchancen hat. Grund: Es gibt nur 50 Abschleppwagen, aber 2000 wild geparkte Autos. Auch dass der Himmel am Freitag weinte, schreckte die meisten Tifosi nicht ab, zu kommen. Das Rennen in Imola ist restlos ausverkauft – auch weil Ferrari-Pilot Charles Leclerc als WM-Führender zum „Autodromo Enzo e Dino Ferrari“ kommt. Und: Das Ferrari-Werk in Maranello ist nur 70 Kilometer von Imola entfernt. Fest steht: Der Monegasse Leclerc ist der neue Liebling der Massen im Ferrari-Land. Er ist jung, smart, mit französischer Muttersprache zwar, aber italienischem Herz.

Allein: So ganz unantastbar ist er noch nicht, den muss er sich noch erkämpfen. Grund: Als man ihn beim Training am Dienstag in Viareggio erkannte, gab er spontan bereitwillig Autogramme. Das Problem: Am Ende fehlte ihm seine Armbanduhr, eine Sonderanfertigung im Wert von circa 300 000 Euro. Die wurde ihm von einem Fan, ohne das Leclerc es bemerkte, vom Handegelenk gezogen. Ex-Ferrari-Pilot Gerhard Berger dagegen wurde einmal der Dienstferrari in Italien gestohlen. Damals aber gab es von irgendeinem Manager von Ferrari einen Anruf an bestimmte Stellen. Mit dem Ergebnis, dass Bergers Ferrari am nächsten Morgen wieder unversehrt auf dem Parkplatz stand. Leclercs Uhr tauchte aber nicht wieder auf.

Typisch auch für Ferrari vor dem Heimrennen des italienischen Nationalheiligtums: Die Verkündung eines neuen Zwei-Jahresvertrages Vertrag wurde nicht zufällig vor dem Rennen in Imola um zwei Jahre verlängert. Dabei waren die Details schon seit Wochen klar. Heißt für Ferrari-Junior Mick Schumacher aber auch: Der Sohn des Rekordweltmeisters wird mit grosser Wahrscheinlichkeit weitere zwei Jahre bis Ende 2024 bei Ferraris-Partnerteam Haas in Wartestellung verbringen, um vielleicht 2025 im roten Erfolgrenners seines Vaters zu landen. Haas-Teamchef Günther Steiner dementiert das gar nicht gross. Der Südtiroler zu unserer Zeitung: „Es ist die Sache von Ferrari. Sie werden das entscheiden.“

Überhaupt steht das Haas-Team neben Mutterschiff Ferrari im Mittelpunkt des Interesses. Grund: Durch bisher starke Ergebnisse wird der Haas als „weißer Ferrari“ bezeichnet, mittlerweile sprechen böse Zungen im Fahrerlager von einem illegalen Auto.

Hintergrund: Haas und Ferrari arbeiten extrem eng zusammen. Das US-Team hat in Maranello sogar ein eigenes Konstruktionsbüro – und Mitarbeiter von Ferrari auf seiner Lohnliste. Und weil der Haas in diesem Jahr plötzlich wieder schnell ist, geht die enge Verbindung zwischen der US-Mannschaft und der Scuderia einigen Konkurrenten zu weit. Sie zeigen mit dem Finger auf den „weißen Ferrari“. Allein: Mick Schumacher lassen diese Diskussionen kalt. „Wenn das so wäre (dass die Zusammenarbeit nicht den Regeln entspricht; d. Red.), würde die FIA da schon schreien und das tut sie nicht“, so der Ferrari-Lehrling. Auch Haas-Teamchef Günther Steiner schüttelt nur den Kopf. „Manchmal gibt es Statuten in den Regeln, die nicht für einen selbst funktionieren, und dann kann man nicht einfach hingehen und diese ändern“, weist er auf eine geschickte aber legale Auslegung der Regeln hin. Der Südtiroler weiter: „Sind wir gut, nennen sie unser Auto einen ,weißen Ferrari’. Sind wir schlecht, kommen diese Kommentare nicht. Ich finde das lächerlich.“

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