München – In Sachen Intensität präsentierte sich Alexander Zverev bei seinem ersten Training in München mit seinem chilenischen Kontrahenten Christian Garin nahe der Match-Form. Verantwortlich dafür war eine beinahe nervtötendene Stimme im Hintergrund, die ihn ständig antrieb. Sie gehört zu Sergi Bruguera, 51, zweimaliger French-Open-Gewinner und neuerdings Trainer des deutschen Tennisstars – zumindest für die Sandplatz-Saison.
„Ich brauche jemanden, dem ich vertrauen kann. In schwierigen Situationen möchte ich nicht derjenige sein, der auf dem Trainingsplatz nachdenken muss“, zeigt sich die Nummer drei der Tenniswelt erleichtert, nach sechs Monaten wieder einen starken Mann an seiner Seite zu haben. Bruguera ist der dritte Spanier an seiner Seite, die Versuche mit Juan Carlos Ferrero und David Ferrer führten zu überschaubarem Erfolg.
Dennoch: Zverev hat nach einer bisher schwachen Saison einen neuen Input gebraucht. Bei sechs Turnierteilnahmen schaffte es der 25-Jährige nur einmal ins Finale. Negativer Höhepunkt war sein Schläger-Schiedsrichter-Ausraster in Acapulco. Er selbst habe sich zu Jahresbeginn zu sehr unter Druck gesetzt, die Nummer eins der Tenniswelt werden zu wollen. Immerhin: In seiner Wahlheimat Monaco zeigte seine Formkurve zuletzt wieder nach oben. Nach einer erfolgreichen Nervenschlacht im Viertelfinale gegen Jannik Sinner zog der gebürtige Hamburger im Duell mit Angstgegner Stefanos Tsitsipas den Kürzeren. „Eine Zerrung im Oberschenkel hat mich im Halbfinale gegen Tsitsipas die letzten Prozentpunkte gekostet. Das reicht auf diesem Niveau dann nicht“, analysiert Zverev am Freitag.
Umso gelegener kommen für den 1,98-Meter-Mann die BMW Open by American Express. „München ist ein Turnier, dass ich in meiner Karriere jedes Jahr spielen werde. Ich fühle mich extrem wohl hier“, zeigt sich Zverev voller Vorfreude.
Auf der Anlage des MTTC Iphitos könnte das deutsche Aushängeschild unter anderem auf den Belarussen Ilja Iwaschka treffen, dem vor einem Jahr im Viertelfinale ein Überraschungs-Coup gegen Zverev gelang. Dass Iwaschka in Zeiten des Ukraine-Krieges überhaupt teilnehmen darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Unter der Woche schlossen die Wimbledon-Organisatoren sämtliche russischen und belarussischen Spieler aus. Auch die italienische Regierung prüft ein ähnliches Verbot für das Turnier in Rom.
Zverev, gebürtiger Hamburger mit russischen Wurzeln, hat dazu eine klare Meinung. Russische Mannschaften von Team-Wettbewerben zu verbannen, hält er für ein wichtiges politisches Zeichen gegen den Krieg. Den Ausschluss einzelner Spieler hält er hingegen für „fragwürdig“. Zverev fühlt besonders mit Andrey Rublev, einem seiner engsten Freunde. „Er selbst will sein ganzes Preisgeld an die Ukraine spenden und hat sich bereits öffentlich gegen den Krieg ausgesprochen.“ Aber, so Zverev fast resignierend, die Wimbledon-Organisatoren machen eh „was sie wollen.“ Zverev weiter: „Wir spielen das ganze Jahr über auf der ATP-Tour und bei den Grand Slams mit einer Regel, dass die russischen Spieler ohne die russische Flagge antreten dürfen. Auf einmal darf ein Turnier selbst über den Ausschluss entscheiden – so ergibt weder die Rangliste noch die ATP einen Sinn.“