EISHOCKEY

U 18-WM: Ein Scout pro Spieler

von Redaktion

Christian Künast, Sportdirektor beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB), wünscht Alexander Dück, dem Trainer der U 18-Nationalmannschaft, „für die kommenden Tage gute Nerven“. Künast hat das ja schon einige Male miterlebt, wie das so sein kann in dieser Altersstufe: „Du kannst die Mannschaft top vorbereiten, alles abgesprochen haben –und dann gehen die Jungs raus und spielen etwas komplett anderes.“ Schön, schnell, taktisch oft ungehobelt. Er seufzt: „Es ist halt ein Spielplatz.“

Der Spielplatz U 18 steht ab Samstag in Landshut und Kaufbeuren, sie richten die Weltmeisterschaft der jüngeren Junioren aus, die vor allem in Nordamerika , große Aufmerksamkeit erfährt. Mit an die 200 Scouts aus der National Hockey League rechnet Künast. Mit einem hat er vorab bereits gesprochen: Andy Schneider, mit dem er vor 20 Jahren bei den München Barons gespielt hat. „Schneids“ arbeitet für die New Jersey Devils, er sagt: „Hier haben wir alle Talente gebündelt zusammen.“ In den acht Nationalteams (nicht dabei die ausgeschlossenen Russland und Belarus) treten 200 Spieler an – auf einen Akteur kommt also ein professioneller Beobachter.

Deshalb ist es für die Spieler erstrebenswert, sich bei diesem Turnier zu zeigen. „Die Anwesenheit von Scouts ist definitiv ein Thema“, weiß Trainer Alexander Dück. John Peterka, inzwischen in der NHL (Buffalo) gelandeter Münchner, hätte 2020 die U 18-WM sogar den DEL-Playoffs mit dem EHC vorgezogen – wegen Corona fiel damals alles aus, der Konflikt blieb ihm erspart. Einen goldenen Jahrgang wie den 2002er mit Peterka, Lukas Reichel (Chicago) und Tim Stützle (Ottawa) hat der DEB aber aktuell nicht. „Die absoluten Überflieger fehlen uns auch in den nächsten zwei, drei Jahren“, räumt Künast ein, „im Jahrgang 2007 schaut’s wieder besser aus.“ Deutschland trifft in Landshut auf Tschechien (Samstag, 15.30 Uhr), Kanada (Sonntag, 19.30 Uhr), die USA (Dienstag, 19.30 Uhr), ist dreimal Außenseiter.

Julian Lutz (18) vom EHC München ist der bekannteste deutsche Spieler. Diese Saison fiel er aber verletzt für sieben Monate aus. „Vom Nachwuchs- ins Männer-Eishockey, da zählt jeder Tag“, findet sein Münchner Mitspieler Patrick Hager, „da wurden ihm sieben Monate in seiner Entwicklung genommen, sonst wäre er noch weiter.“ Seit Lutz gesund ist, geben sich die NHL-Scouts in München „die Klinke in die Hand“, so EHC-Sportdirektor Christian Winkler. Es ist damit zu rechnen, dass Lutz im Sommer in der zweiten oder dritten Runde von einem NHL-Club gedraftet wird. Die U18-WM ist die letzte Gelegenheit, bei den Scouts zu punkten. Kollege Hager hält es für möglich, dass Julian Lutz es in die NHL schafft. „Das Grundgerüst dafür hat er. Aber viele Jungs wollen dorthin.“ Sie treffen sich in Landshut und Kaufbeuren. Zum Spielen. GÜNTER KLEIN

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