Wie weit ist ein Verein bereit zu gehen, um den Vertrag mit seiner menschlichen Tormaschine zu verlängern? Und wie viel Geld kann ein Fußballer eigentlich ausgeben? Diese beiden Fragen schießen einem durch den Kopf, wenn man an den aktuellen Beziehungsstatus zwischen dem FC Bayern München und Robert Lewandowski denkt.
Pini Zahavi, der gewiefte Berater des Polen, weilte gestern in München, um mit den Bayern-Bossen zu feilschen. Sein Ziel: ein neuer Dreijahresvertrag für seinen 33-jährigen Klienten. Zu besseren Bezügen versteht sich. Das derzeitige kolportierte Brutto-Jahresgehalt von 21 Millionen Euro sind dem feinen Herrn scheinbar nicht genug.
Zur Einordnung: Auch mit Vereins-Ikone Thomas Müller (32) und Kapitän Manuel Neuer (36) sind die Münchner derzeit in Gesprächen. Beiden soll aller Voraussicht aber nur ein Einjahresvertrag angeboten werden. Der Club steckt nun in der Klemme. Natürlich will man nicht auf die personifizierte Torgarantie – Lewandowski erzielte in den vergangenen Jahren jeweils wettbewerbsübergreifend rund 40 Tore – verzichten, aber der Stürmer ist bereits Topverdiener des Rekordmeisters.
Dreht sich die Gehaltsspirale weiter nach oben, wollen auch die Teamkollegen weiter unten ein größeres Stück vom Kuchen. Serge Gnabry, dessen Vertrag 2023 ausläuft, dürfte genau hinschauen. Und weitergedacht, selbst Krümel könnten schnell verhältnismäßig riesige Summen aufrufen wollen. Die Bayern sollten diesen Wahnsinn nicht mitgehen, insbesondere in (Post-)Pandemiezeiten.
Und Lewandowski? Wirklich überraschen darf sein Verhalten niemanden. Ein gutes Wort über München hört man von ihm nie, stattdessen kokettierte er immer wieder mit einem Wechsel. Clever aus wirtschaftlicher Sicht, armselig aus menschlicher.
Wie gern denkt man dabei zurück an NBA-Superstar Dirk Nowitzki. Der Würzburger verzichtete 2014 – damals 36 – in den Verhandlungen mit Dallas auf 50 Prozent seines Gehalts, damit der Club ein konkurrenzfähiges Team zusammenstellen konnte. Statt 16 Millionen Euro bekam Nowitzki „nur“ noch rund 7,5 Millionen Euro. Eine Haltung, die sich viele Stars zum Vorbild nehmen sollten – nicht nur Lewandowski.
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