Ende statt Wende!

von Redaktion

Topfavorit Zverev scheitert nach desolatem Auftritt früh bei den BMW Open

VON THOMAS JENSEN

München – Nach einer Stunde und 38 Minuten schritt Alexander Zverev sichtbar geschockt vom Center Court. 3:6, 2:6 hatte er gerade sein erstes Match am Aumeister 2022 völlig überraschend gegen den Dänen Holger Rune verloren. Anstatt wie nach anderen bitteren Niederlagen mit gesenktem Kopf zu verschwinden, entschuldigte er sich mit erhobenen Händen bei den Zuschauern.

Kurz darauf bezeichnete der um Worte ringende Olympiasieger den Auftritt als das „schlechteste Match in den letzten sechs oder sieben Jahren“ – und fügte hinzu: „Ich hätte gegen jeden Spieler im Hauptfeld verloren. Das war heute bodenlos von mir.“ Ausreden wollte er nicht suchen, einzig, dass er sehr nervös gewesen sei, nach drei Jahren wieder vor Publikum in Deutschland zu spielen, gab er zu.

Vor der zurückgekehrten Zuschauerschaft wurde der Hamburger phasenweise beinahe vorgeführt. Er selbst agierte fahrig und produzierte viele unnötige Fehler. „Ich habe sozusagen ohne Vorhand gespielt“, meinte er im Nachhinein. Sein Kontrahent überzeugt zudem mit sehr frechem Tennis. Mehr als einmal konfrontierte der 18-jährige Rune den zunehmend Verzweifelnden mit überraschenden Stopps. Sie waren, wie der Youngster danach sagte, Teil seines Matchplans – wegen der typischen Stellung Zverevs weit hinter der Grundlinie. Vor einem Jahr lag der Kopenhagener auf Rang 310 der Weltrangliste, inzwischen ist er die Nummer 70. Er hat das bisher beste Jahr seiner jungen Karriere hinter sich.

Zverev hatte von so etwas kürzlich geträumt. Nach einer sehr durchwachsenen Saison war er frohen Mutes nach München gereist. Dort, wo er schon zweimal triumphiert hatte, wollte er starten, wieder besser zu spielen. „Ich bin mit dem Gefühl hier, dass sich vieles ändern kann und ich das beste Jahr meines Lebens haben werde“, meinte der 25-Jährige. Von dem Optimismus ist nach nun nichts übrig geblieben. Zverev war nach dem Aus schwer gefrustet – und entschuldigte sich: „Es tut mir leid für die Zuschauer und das Turnier.“

Durch sein Ausscheiden ist nun der Norweger Casper Ruud Topfavorit, er spielt heute gegen den Slowaken Alex Molcan. Ebenfalls raus ist Daniel Altmaier, der dem Serben Miomir Kecmanovic 2:6, 4:6 unterlag. Oscar Otte, der im Achtelfinale auf Reilly Opelka (USA) trifft, ist der letzte Deutsche im Einzel. Im Doppel sind Kevin Krawietz und Andreas Mies die letzten Deutschen, ihre erste Partie gewannen sie gegen Hans Hach Verdugo (Mexiko) und Philipp Oswald aus Österreich im Match-Tiebreak.

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