Partyschreck aus Katalonien

von Redaktion

66:75 – im dritten Euroleague-Viertelfinale gegen Barca sind Bayerns Basketballer chancenlos

VON PATRICK REICHELT

München – Ohja, der Auswärtscoup beim großen FC Barcelona hatte etwas ausgelöst beim Münchner Basketball-Volk. Der Audi Dome – ausverkauft. Mitten drin in den 6500, die sich in die Arena drängelten auch die halbe Meistermannschaft der Bayern-Kicker. Es knisterte mal wieder am Westpark.

Alles gerichtet also eigentlich für die nächste schöne Euroleague-Sause. Doch dieser dritte Viertelfinalabend erlebte einen fürchterlichen Partycrasher. Der FC Barcelona, der chronisch hohe Titelfavorit, revanchierte sich ziemlich erbarmungslos für die zuhause erlittene Schmach. Am Ende stand ein 75:66 (49:31) für die Gäste. 1:2 aus Münchner Sicht nun also in der Serie nach dem Modus Best of 5, schon am Freitag (20.45 Uhr) könnte es vorbei sein mit den leisen Hoffnungen auf das Ticket zum Finalturnier in Belgrad.

Trainer Andrea Trinchieri hat sowas ja schon nach dem Coup im Palau Blaugrana geahnt. „Es ist der FC Barcelona, sie wissen, wie man mit einem 1:1 umgeht“, hatte der Italiener geunkt. Und das Imperium schlug vom Anwurf weg zurück. Barcelona ließ den Ball mit Tempo durch die eigenen Reihen kreiseln. Zu viel Tempo zunächst, auch für redlich kämpfende Bayern. Auf Wurfgelegenheiten der Katalanen musste man nicht lange warten. Sie fanden sich vor allem an der Dreierlinie. Alleine Nicolas Laprovittola, der argentinische Wirbelwind, um den auch der FC Bayern schon mal gebuhlt hatte, schubste den Ball gleich dreimal durch die Reuse. Schon nach fünf Minuten pendelte sich der Rückstand der Hausherren solide jenseits der zehn Punkte ein. Das ließ nichts Gutes ahnen.

Darrun Hilliard wäre vielleicht ein Argument gegen die spanische Offensivwucht gewesen. Doch der Stareinkauf von ZSKA Moskau saß mit traurigen Augen und frisch geflicktem Schlüsselbein hinter dem Korb, in der, in diesem Jahr bestens gepflegten Zone der nicht einsatzfähigen Kräfte. Also musste es mal wieder Vladimir Lucic richten. Der Fast-schon-Ur-Münchner rackerte ja auch nach Kräften und war am Ende mit 17 Punkten auch der größte Störenfried in Münchner Reihen. Das reichte ja auch zu der ein oder anderen guten Phase.

Und diese Botschaft schickten die Bayern ja schon in Richtung Barcelona. So wie in jener Szene im dritten Viertel als der zunehmend besser werdende Nick Weiler-Babb den Audi Dome Kopf stehen ließ als er Europas Megastar Nikola Mirotic den Ball mal kurzerhand aus den Händen stibitzte.

Doch wenn es sein musste, hatte das Ensemble von Trainer-Fuchs Sarunas Jasikevicius halt immer eine Antwort. Auch und gerade zum Ende des dritten Viertels als – wer sonst – Vladimir Lucic sein Team mit entschlossenem Dunk mal wieder bis auf zehn Punkte heranbrachte (50:60). „Jetzt zeigen wir Europa, wo die geilste Basketballstadt ist“, grölte Hallensprecher Thomas Kilian da ins Mikrofon. Die Worte waren kaum verklungen, da packte Mirotic die nächsten Punkte drauf. Weg war der Funke, der aufs Münchner Basketballvolk überzuspringen schien.

25 Zähler sammelte der frühere NBA-Profi (Chicago, New Orleans, Milwaukee) am Ende ein. Er war die Schlüsselfigur an diesem Abend. Was in Katalonien die Hoffnungen kräftig fliegen lässt. Vielleicht kann der Routinier nach der Finalniederlage im Vorjahr Barcelona ja doch wieder zum Titel führen.

Doch so weit ist es noch nicht. Zumindest zu einem weiteren Sieg muss Mirotic Barca erst einmal noch gegen die Bayern führen.. Vielleicht schon am Freitag, wenn das Viertelfinale in die vierte Runde geht. In München hat man da aber gewiss einiges dagegen.

Artikel 2 von 11