Paukenschlag an der Rennbahn

von Redaktion

Gräfin von Pfuel ist neue Vizepräsidentin beim Münchner Rennverein

München – Paukenschlag beim Münchener Rennverein (MRV): Mit der neuen Vizepräsidentin Stephanie Gräfin von Pfuel wählten die Galopp-Mitglieder bei ihrer Jahresversammlung am Dienstag zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Frau in den Vorstand – und eine Person mit Glamourfaktor noch dazu. Dass Michael Motschmann neuer Präsident ist, ging nach dem Coup fast unter.

Motschmann dagegen war den Mitgliedern vertraut. Als bisheriger Vizepräsident hatte er seit dem Rücktritt von Dietrich von Boetticher im Februar den Verein geführt. Georg Freiherr von Gumppenberg, Christoph Walther und Stefan Oschmann machen den Vorstand komplett. Oschmann ersetzt Hermann Bauer, der nicht mehr zur Wahl angetreten war.

Gräfin von Pfuel soll die Bahn insbesondere bei der Organisation von Veranstaltungen unterstützen, daran ließ Motschmann keinen Zweifel. Als Besitzerin von Schloss Tüßling baute sie den Ort zur Eventlocation aus. Wie sie selbst sagte, fanden vor der Corona-Pandemie bis zu 120 Veranstaltungen pro Jahr in Tüßling statt.

Deutlicher als sein Vorgänger setzt der neue Präsident auf eine stärkere Vermarktung des Rennbahngeländes, auch für Veranstaltungen ohne Bezug zum Rennsport. „Einnahmen ohne neue Kosten“ zu generieren, lautet sein Credo, um die strukturell bedingte finanzielle Schieflage des MRV zu verbessern. „Den Wettumsatz um ein paar Prozent zu steigern, bringt wenig“, rechnete Motschmann vor, da jeder Renntag ohne Sponsorenunterstützung ein Defizit von über 35 000 Euro verursache.

Weiterer Plan: Die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen. Sie sollen den immensen Energiebedarf der Bahn decken, also Kosten sparen und wenn möglich Erlöse erzielen helfen, erklärte Generalsekretär Sascha Multerer. Als erste Standorte sind das neue Dach der im Februar durch einen Brand zerstörten Clubtribüne und der Innenraum der Trainingsbahn im Gespräch. „Neue Einnahmen könnten wir dann in höhere Rennpreise und damit in mehr Renntage stecken“, konkretisierte Motschmann seine Pläne.

Nach wie vor arbeitet die Rennbahn unwirtschaftlich, obwohl das jährliche Defizit von etwa 240 000 Euro im Jahr 2020 auf zuletzt rund 182 000 Euro sank. Darlehen früherer Vorstandsmitglieder halten die Bahn am Leben.

CHRISTIAN WANNINGER

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