München – Im Vorfeld gab es viele Misstöne. Am Ende ging alles geräuschlos. Der Münchner Stadtrat hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, den Ausbau des Grünwalder Stadions voranzutreiben. Einstimmig. Und ohne dass irgendein Lokalpolitiker das Wort ergriffen hätte. Das war durchaus überraschend, nachdem die Löwen vor einigen Wochen eine geharnischte Kritik an den Stadionplänen herausgebrüllt hatten. Die Stadträte allerdings verzichteten gestern auf eine Replik. Wohl, um Dampf aus dem Kessel zu nehmen und die öffentliche Debatte nicht weiter anzuheizen. Die Wogen hatten sich ohnehin schon zuvor geglättet.
Auch den Löwen ist daran gelegen, das Gesamtprojekt Modernisierung des Grünwalder Stadions nicht zu gefährden. Weil es aktuell sowieso keine andere Option gibt. So hatte der TSV 1860 einen Facebook-Post von Sport-Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) am Dienstagnachmittag postwendend goutiert. Der Verein danke der Stadt für den Beschluss zum Ausbau, hieß es darin. Und an die Adresse von Dietl gerichtet: „Vor allem sind wir froh, dass Sie unsere Punkte berücksichtigen und sich dafür einsetzen, im Status quo Verbesserungen zu erreichen.“
Übersetzt heißt dies, dass sich die Löwen angemessene Mietkonditionen wünschen, die Herausforderungen der Ligalizenzierung im Status Quo berücksichtigt werden und langfristig gesehen die Frage der Bundesligatauglichkeit des Stadions auf die Agenda kommt. Ein Standpunkt, den Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer bei der gestrigen Pressekonferenz der Löwen noch einmal unterstrich. Dietl hatte unterdessen in ihrem Post zugesichert, dass all diese Punkt geklärt würden. Von Pfeifer hieß es gestern, er gehe davon aus, dass die Gespräche mit der Stadt nun vertieft würden.
So ist auch der gestrige Stadtratsbeschluss zu verstehen. Die Verwaltung soll ausloten, unter welchen Konditionen eine langfristige Bindung des TSV 1860 an das Grünwalder Stadion ausgehandelt werden kann. Erst dann werden im kommenden Jahr die Finanzmittel in Höhe von 77 Millionen Euro freigeschaltet. So teuer ist der Ausbau, wie mehrfach berichtet.
Die aktuellen Pläne sehen eine Komplettüberdachung und mehr Komfort im Stadion mit VIP-Plätzen vor. Dadurch würde die Kultstätte auf Giesings Höhen zweitligatauglich werden, allerdings noch nicht für die Bundesliga. Die Zuschauerkapazität des Stadions würde sich von 15 000 auf 18 105 Plätze erhöhen – nur. Man muss daher kein Prophet sein, um vorherzusagen: Ganz geräuschlos wird die Debatte um das „Grünwalder“ bestimmt nicht weitergehen.