Köllner glaubt an das Wunder

von Redaktion

1860-Trainer hält sogar den Direkt-Aufstieg für möglich: „Warum soll das nicht passieren?“

VON ULI KELLNER

München – Keine Weißwürste also und keine Anrufe. Trotz diverser Querverbindungen zu Viktoria Köln haben sich die Löwen gegen eine aktive Einflussnahme auf den Gegner des 1. FC Kaiserslautern, ihres Hauptgegners im Kampf um den Aufstieg, entschieden. Anstatt auf kulinarische Anreize oder motivatorische Appelle setzt Trainer Michael Köllner auf Neurobiologie, sprich: auf die Kraft der Gedanken. Soll das Umfeld ruhig unken, dass es eh wieder schief geht. Sollen doch alle glauben, dass der Relegationsplatz das einzige Ziel ist, das 1860 im günstigsten Fall noch erreichen kann. Köllners Denke ist wie so oft eine andere. „Im Sport ist grundsätzlich alles möglich“, dozierte er: „Natürlich müssen viele Konstellationen zusammenkommen, damit du am Ende noch den Megacoup schaffst. Aber: Alles ist noch in der Lotterie drin, sogar der direkte Aufstieg. Warum soll das nicht passieren? Ich jedenfalls werde mich nicht so in meiner Gedankenwelt minimieren, dass ich mich vorher auf das kleinste Ziel begrenze. Nein, ich arbeite immer so, dass wir noch das Maximum erreichen können.“

Siegen und hoffen – „an dem Thema schrauben wir“, versicherte Köllner, der fest davon ausgeht, die „knüppelharten Spiele“ in Magdeburg (Samstag, 14 Uhr) und gegen Dortmund II (Samstag drauf, 13.30 Uhr) gewinnen zu können. Der Leitspruch des leidenschaftlichen Positivdenkers Köllner: „Du musst immer an deine Chance glauben!“ Bedeutet im speziellen Fall der Löwen als Tabellenvierter mit 58 Punkten: zwei eigene Siege und ein Patzer des FCK (63) am Sonntag in Köln sind Pflicht – für Platz drei. Und für Köllners verwegene Gedankenspiele, auch noch den Direktaufstieg anpeilen zu können: Besagter „Megacoup“ würde nicht nur zwei 1860-Siege und eine Lauterer Saisonabschlusspleite voraussetzen, sondern auch ein Braunschweiger Totalversagen. Gemeint ist der selbst in tiefblauen Kreisen bisher vernachlässigte Fall, dass die Eintracht (64 Punkte) ja zumindest theoretisch am Samstag in Meppen und die Woche darauf das Heimspiel gegen Köln verlieren könnte.

Läuft der vorletzte Spieltag nach Plan und lebt der Aufstiegstraum danach weiter, hätten die Löwen aus Köllners Sicht einer „Mega-Rückrunde“ die Krone aufgesetzt. Zur Erinnerung: Mit dem 2:5 im Hinspiel gegen Magdeburg (0:5 zur Pause) war der Tiefpunkt unter Köllner erreicht – mit weitreichenden Folgen: Tabellenplatz 12, der Trainer und Sportchef Günther Gorenzel wackelten. Kapitän Sascha Mölders wurde als Unruheherd ausgemacht und musste gehen. Der Wendepunkt. Und der Startschuss einer Entwicklung zum Spitzenteam. „Beeindruckend, welchen Weg wir seither genommen haben“, schwärmt Köllner: „Wir wussten, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Nach diesem Spiel haben wir einige Dinge verändert.“ Mit dem Ergebnis, dass 1860 am Samstag Platz 1 der Rückrundentabelle erobern kann – einen Sieg bei den bisher führenden Magdeburgern vorausgesetzt.

Personell sollte dem nichts entgegenstehen. Aus seinem aktuellen Erfolgsteam muss Köllner nur auf Teenager Morgalla (krank) verzichten. Erstaunlich: Bis auf Mölders und den verletzten Willsch könnte eine sehr ähnliche Elf wie im Hinspiel auflaufen – nur taktisch anders sortiert und zu einer aufstiegswürdigen Gemeinschaft gereift.

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