„Von mir wird es keine Abrechnung geben“

von Redaktion

Franz Reindls Abschied vom DEB nach 30 Jahren – Rebellion im Verband ist ins Stocken geraten

VON GÜNTER KLEIN

München – Das war dann sein letzter Repräsentationstermin als Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): Am Mittwochabend in München stand Franz Reindl bei der Ehrung des Meisters Eisbären Berlin auf dem Eis. „Es war berührend“, sagt er. Die Halle war voller Menschen und voller Freude, die Einschränkung durch Corona weit weg. „Man kann sich wieder die Hand geben und in die Augen schauen.“ Dem Garmisch-Partenkirchner liegt die reale Begegnung mehr als die virtuelle.

Reindl, 67, verabschiedet sich an diesem Samstag im Münchner Hyperion-Hotel vom DEB. „Ich war ja 30 Jahre da und vor dieser Zeit Nationalspieler – da hast du schon eine enge emotionale Verbindung.“ Letztmals leitet er die turnusgemäße Mitgliederversammlung des Verbandes, nach zwei Legislaturperioden und insgesamt acht Jahren an der Spitze wird er als Präsident nicht mehr antreten.

Reindl ist zuletzt angeschlagen gewesen – durch sein Scheitern im Vorhaben, Präsident des Weltverbandes IIHF zu werden; durch Medienveröffentlichungen, seine gleichzeitige Anstellung als Geschäftsführer der DEB GmbH habe nur dazu gedient, ihn, den ehrenamtlichen Präsidenten, verdeckt zu entlohnen. Auch zwei Strafanzeigen gegen ihn und das Präsidium wurden gestellt, eine aus drei Landesverbänden gebildete Opposition forderte laut Konsequenzen. Doch zur finalen Eskalation wird es am Samstag wohl nicht kommen.

Die Rebellion gegen Reindl ist ins Stocken geraten. Überraschend zog Hendrik Ansink, Präsident des Hessischen Eishockey-Verbandes und erster Anzeigensteller gegen Reindl, seine Anträge zurück. Ansink schrieb an die DEB-Mitglieder, er halte sich „an die einfache Lebensregel: Der Dünger ist besser als die Axt.“ Er wolle das neue Präsidium „konstruktiv unterstützen“.

Die Opposition, der auch der ehemalige Eishockeyspieler Manuel Hiemer (Rosenheim, München – nun aktiv als Funktionär in Sachsen-Anhalt) angehört, brachte keine 25 Stimmen für eine Außerordentliche Mitgliederversammlung zusammen und fand keinen Kandidaten, der für ihre Ziele stünde. So unterstützt Ansink, ein politisch gut vernetzter Wirtschaftsprüfer, nun die Kombo, die sich aus den verschiedenen Gruppen im DEB gebildet hat. Präsident soll der Jurist Dr. Peter Merten aus Heppenheim werden, er sitzt bereits im Aufsichtsrat der DEL2. Seine Vizes würden Hauke Hasselbring, Geschäftsführer des DEL-Vereins Bremerhaven, der bisher schon im Präsidium vertretene ehemalige Sky-Kommentator Marc Hindelang und der langjährige Eishockey-Nationalspieler Andreas Niederberger, Vater des Berliner Finalhelden Mathias.

„Mit den jetzigen Kandidaten wäre die Zukunft in guten Händen“, glaubt auch Franz Reindl. Mit Niederberger hat er sogar noch gespielt – in Rosenheim und im Nationalteam. „Ich kenne die Leute, aber habe sie nicht ausgesucht.“ Möglich ist, dass es doch noch zu spontanen Gegenkandidaturen kommt – laut Satzung möglich.

„Von meiner Seite aus wird es keine Abrechnung geben“, kündigt Franz Reindl an. Eine vom DEB in Auftrag gegebene Untersuchung der Kölner Anwaltskanzlei Verte hat ihn entlastet und wurde auch an die Staatsanwaltschaft weitergereicht. Die neue Strafanzeige stammt vom Eissportverband Nordrhein-Westfalen – „der gar kein Mitglied mehr im DEB ist“, so Reindl. In NRW hat sich ein eigener Eishockeyverband gegründet – ein Weg, den Reindl fördert, „denn so bleibt das Geld im Eishockey“. Ehrenpräsident mit Prozessvollmachten beim alten NRW-Verband, der auf den Abgaben besteht, ist der frühere DEB-Schatzmeister Wolfgang Sorge, 73, der sich vor 22 Jahren mit einem Striptease-Auftritt vor der Frauen-Nationalmannschaft aus seiner Funktionärslaufbahn schoss. Reindl & Co. erwägen gegen „NRW alt“ ihrerseits eine Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede.

Die vergangenen zwölf Monate verliefen unerfreulich für Reindl, doch von seiner Amtszeit bleibt als Erfolg der größte sportliche Aufschwung der Verbandsgeschichte. Das Haus hinterlässt Reindl bestellt. Ihm ist auch die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Toni Söderholm geglückt, den die Kritiker schon auf der Flucht vor den Zuständen im DEB gesehen hatten. Dem Eishockey geht Franz Reindl auch nicht verloren. Bis 2026 ist er ins Council der IIHF gewählt. „Ich werde bei verschiedenen Turnieren der Chairman sein, das macht mir Spaß“, sagt er. Das, was Eishockey für ihn immer sein sollte.

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