War mit Schalke zu rechnen?

Der Wiederaufstieg ist ein Wunder

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Um zu erfassen, wie es jetzt ist, muss man vergleichen: Wie war er vor einem Jahr? So war es: Schalker Fans jagten die Spieler, als sie nächtens von dem Auswärtsspiel zurückkehrten, in dem ihr Abstieg besiegelt wurde, ums Stadion herum – die ultimative Übergriffigkeit. Der Verein FC Schalke 04 schien völlig perspektivlos und verloren zu sein, nachdem Ralf Rangnick mit ihm öffentlich verhandelt, dann aber abgesagt hatte. Die Stimmungslage war: Nie mehr Bundes-, eher weiter runter in die 3. Liga. Schalke war kaputt.

Und nun: Steigt Schalke wieder auf in die Bundesliga. Was bei anderen Vereinen, die diesen Runter-rauf-Weg gegangen sind wie VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Hertha BSC und Eintracht Frankfurt, als logische Reparatur nach einem Betriebsunfall bewertet wird, ist im Fall Königsblau ein Wunder. Denn die Saison 2021/22 hat einige Missstände ja erneut offengelegt. Der Trainer, Dimitrios Grammozis, mit dem man anfing, war absehbar nicht der Richtige, folglich kam es zu Schalke-typischen Emotionen, Diskussionen und dem Schalke-typischen Rauswurf. Und das in einer Zeit, in der die ohnehin bröckelige wirtschaftliche Basis komplett wegbrach. Mit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatte sich Hauptsponsor Gazprom aufgrund seiner Verbindung in russische Staatskreise unmöglich gemacht.

Wahrscheinlich hätte die alte Vereinsführung auf Schalke versucht, diese Problematik wegzumoderieren – doch das neue Schalke handelte entschlossen und konsequent, sodass dem Club für die sofortige Beendigung der Geschäftsbeziehung bundesweiter Respekt entgegenschlug. Auch die skurril anmutende Trainerlösung mit dem Schalke-Fossil Mike Büskens brachte ihm Sympathien ein. Der Verein wurde in vielem vernünftiger – ohne seine emotional-folkloristische Identität zu leugnen.

Es war wichtig, aus dieser 2. Liga, die zwar als große Nostalgieshow verkauft wurde, aber auf Dauer wegen der weitaus geringeren Medienerlöse in den finanziellen Abgrund führt, sofort wieder herauszukommen. Aber es muss allen klar sein, dass Schalke 04 nicht mehr der meisterschaftsverträumte Spitzenclub sein kann, der er bis vor ein paar Jahren war – sondern ein Aufsteiger, dem graumäusigere Vereine weit voraus sind.

Guenter.Klein@ovb.net

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