Jubel, Trubel – und Bauchschmerzen

von Redaktion

2:2 gegen Stuttgart: Der FC Bayern schwächelt vor der Schalensause

München – Jubel, Trubel – aber auch Bauchschmerzen. Vor dem Empfang der zehnten Meisterschale in Folge spielten die Bayern in der ausverkauften Allianz Arena nur 2:2 gegen den VfB Stuttgart. Nach dem 1:3 in Mainz in der Vorwoche und der anschließenden Ibiza-Reise tat sich der Rekordmeister im letzten Heimspiel der Saison gegen die abstiegsgefährdeten Schwaben schwer.

Dementsprechend gelaunt war auch Trainer Julian Nagelsmann: „Kurz nach dem Spiel, wenn man nicht gewonnen hat, ist es nicht ganz schön“, sagte der 34-Jährige, der zum ersten Mal die Meisterschale in der Hand halten durfte.

Einen frühen Rückstand in der 8. Minute durch Tiago Tomas konnten die Bayern kurz vor der Pause durch ein Eigentor von Konstantinos Mavropanos (35.) und einen sehenswerten Treffer des starken Thomas Müller (44.) drehen. Doch in der 52. Minute gelang Stuttgarts Sasa Kalajdzic der Ausgleich per Kopf. Fakt ist: Die Bayern, bei denen Kingsley Coman in der Nachspielzeit wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte sah, waren gegen Stuttgart überlegen und scheiterten zweimal am Aluminium.

Doch auch das gehört zur Wahrheit: Auch für den VfB wäre gegen eine nicht-meisterliche Münchner Defensive mehr drin gewesen. Am Ende stand das 2:2. Die Bayern, die vor dem Spiel Verteidiger Niklas Süle, der im Sommer ablösefrei zu Borussia Dortmund wechselt, offiziell verabschiedeten, stemmten zum zehnten Mal in Folge die Meisterschale in die Luft. Trotz einer weniger dominanten Rückrunde bereitet in der Liga eher die seit Jahren schwächelnde Konkurrenz Bauchschmerzen.

Für die Spannung in der Liga sei aber nicht der FC Bayern verantwortlich, das müssten die Verfolger schon selbst schaffen, betonte Vorstands-Boss Oliver Kahn gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. „Vereine wie Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen werden alles daransetzen, uns von Platz eins zu verdrängen – und wir werden alles daransetzen, damit ihnen das nicht gelingt“, sagte Kahn: „Wir haben nichts gegen ein Titelrennen mit viel Spannung. Im Gegenteil! Aber am Ende mit einem deutschen Meister FC Bayern!“

Eine klare Meinung dazu hat Michael Zorc, bis Saisonende Sportdirektor beim BVB. „Der finanzielle Abstand zwischen den Bayern und uns ist größer als der von uns zu Greuther Fürth. Das wird mir in den Medien zu wenig beachtet“, sagte Zorc. „Wenn man gegen die Bayern Meister werden will – mit dieser herausragenden Generation, mit Neuer, Lewandowski, Müller, und mit 285 Millionen Euro mehr Umsatz –, dann müssten die Bayern, bildlich gesprochen, ihren Wagen schon auch mal selbst in die Leitplanke setzen.“ Diesen Gefallen haben die Münchner der Konkurrenz aber lange nicht mehr getan. Eine vieldiskutierte Lösung: Play-offs am Ende der Saison. Kahn sorgt sich vor allem um den Anschluss der Bundesliga im internationalen Wettbewerb.

Doch auf den Rekordmeister wartet selbst genug Arbeit. Der durchwachsene Auftritt gegen Stuttgart wird sicher auch noch mal die Kritik am Ibizia-Trip der Bayern-Stars befeuern. „Man kann durch dieses Erlebnis Dinge ausblenden“, sagte Müller nach der Schalenübergabe, „die wir natürlich wahrnehmen, die drumherum sind.“ Nagelsmann sprach von „Baustellen im Kader“, die noch geschlossen werden müssen. Zum Saisonabschluss reisen die Münchner am Samstag nach Wolfsburg.

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