„Bayern hat alles“

von Redaktion

Berlin-Boss Baldi über die anstehenden Basketball-Playoffs und das Titelduell mit München

München – Nun hat der Meister also auch das letzte Wort gehabt. 83:78 setzte sich Alba Berlin im Nachholspiel bei Bayerns Basketballern durch. Doch für Alba-Manager Marco Baldi startet die Saison erst jetzt noch einmal richtig durch, wie er im Interview erklärte.

Kurz vor dem Playoff-Start noch einmal ein Duell mit dem Hauptrivalen. Was sagt das aus?

Ach, man darf das nicht zu hoch bewerten. Das war ein Spiel, das zu diesem Zeitpunkt keiner so wirklich will. Wenn man es gewinnt, dann ist es schön. Aber jetzt sind es die Playoffs, auf die jeder schaut. Da musst du jetzt schauen, ob du noch mal zulegen kannst.

Auf beiden Seiten war die Saison so sehr geprägt von Corona-Wellen und Verletzungen, dass niemand sagen konnte, was wirklich in diesen Teams steckt. Wissen Sie es jetzt?

Ich denke schon,beide Teams haben sich im Laufe der Saison sehr gesteigert und eine Identität entwickelt. Wenn es so viele Probleme gibt, dann kann ein Team auseinanderfallen. Oder es wird zusammengeschweißt. Und ich habe das Gefühl, genau das ist bei beiden Mannschaften passiert. Jetzt muss man halt sehen, wohin das führt.

Bei Ihnen führte es immerhin schon zum Pokalsieg und zur Hauptrundenmeisterschaft. Nicht zu vergessen die Euroleague, wo sie bis zuletzt um die Playoffs mitspielten…

Klar, soweit hätte es bei uns sicher nicht besser laufen können. Erst recht wenn man bedenkt, dass wir auch noch einen Trainerwechsel hatten. Ok, Israel Gonzalez war schon lange bei uns, aber einen Aito ersetzt du nicht ohne Weiteres. Aber auch das hat bis jetzt gut funktioniert. Wir spielen flüssigen, attraktiven Basketball, sind aber auch die beste Defensive der Liga. Was viele gar nicht sehen. Jetzt geht es darum, ob man diese Entwicklung noch einmal veredeln kann.

In Europa stand der FC Bayern zweimal im Viertelfinale, Sie kratzten an den Playoffs. Was fehlt zu einem deutschen Final-4-Teilnehmer?

Den Bayern überhaupt nichts. Sie haben erfahrene Spieler, die die Situation kennen. Sie hatten halt das Pech, dass sie gegen Barcelona spielen mussten. Und auch da war es knapp. Letztes Jahr war es noch knapper. Das haben sie sehr gut gemacht. Bei uns kannten viele Spieler dieses Niveau gar nicht. Das brauchst du aber, wenn du mit den Teams mithalten willst, die sich im vorderen Bereich der Euroleague bewegen. Nicht zu vergessen das Budget.

Wie viel fehlt?

Naja, man kann es auch mit weniger Geld einmal schaffen, aber wenn du kontinuierlich da vorne mitspielen willst, dann brauchst du einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag mehr als wir haben.

Hat eine Mannschaft im Basketball die Chance, über mehrere Jahre auf hohes Niveau zu wachsen?

Wir haben sechs Jahre gebraucht, bis wir mal wieder deutscher Meister wurden obwohl wir fünf Mal im Finale standen. Das ist schon etwas, was wir versuchen. Aber man muss schon sehen, dass wir uns jetzt zwei Jahre am oberen Limit bewegt haben.

Was immerhin reichte, um den Rivalen FC Bayern weitgehend im Griff zu behalten. Freuen Sie sich schon auf das Wiedersehen in den Finals?

Das ist das, was jeder erwartet, ja. Aber ich habe gelernt, dass es besser ist, die Playoffs erst einmal zu spielen. Das Finale kommt wenn es kommt. Die Liga hat sich sehr gesteigert. Wir spielen jetzt zum Beispiel gegen Bamberg. Ich will sie nicht stärker reden, aber das ist eine gute Mannschaft, die sich auch entwickelt hat. Die spielen jetzt ihren besten Basketball.

Interview: Patrick Reichelt

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